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Devisenrestriktionen ab sofort aufgehoben (Update)

Finanzminister Alfonso Prat Gay hat in einer Pressekonferenz die Aufhebung der Devisenrestriktionen angekündigt. Damit soll der Wechselkursmarkt des Argentinischen Peso normalisiert werden.

Jeder Interessierte darf in Banken und Wechselstuben ab der erneuten Öffnung der Finanzmärkte Devisen bis zu einem Wert von 2 Millionen US-Dollar im Monat erwerben, ohne dabei wie bisher die Genehmigung der Finanzbehörde AFIP zu benötigen. Damit wird die Regelung vor den Devisenrestriktionen 2011 wieder eingeführt. Auch der Vorschuss auf die Gewinnsteuer von 20 bis 35 Prozent wird abgeschafft, einzig beim Kauf von in Devisen ausgezeichneten touristischen Paketen mit Bargeld soll weiter ein Vorschuss von 5 Prozent bestehen bleiben.

Der Preis von Devisen wie dem US-Dollar wird in einem sogenannten "schmutzigen" gleitenden Wechselkursregime von der Zentralbank administriert. Prat Gay machte keine Angaben über einen anvisierten Dollarpreis, doch bezeichnete er den sogenannten "Contado con liquidación" (CCL), den Wechselkursmarkt von Wertpapieren im Ausland, aktuell als einen "transparenten Markt". Er nannte dafür einen Dollarpreis von "etwas über 14" Pesos. Einen solchen Preis erwarten auch die Märkte, so schloss der CCL bei der Marke von 14,26 Pesos und der Schwarzkurs liegt aktuell leicht über 14,50 Pesos.

Eine Übertragung der zu erwartenden Abwertung auf die Preise soll möglichst vermieden werden. Dazu habe sich laut Prat Gay die Regierung mit führenden Einzelhandelsunternehmen auf einen Weiterbestand des Preiskontrollen-Programms "Precios Cuidados" geeinigt.

Update: Gegen 10:10 Uhr wurden die ersten Preise von Devisen in Wechselstuben veröffentlicht. Zunächst gab es keinen Referenzpreis, so dass der Spread zwischen Kauf- und Verkaufspreis groß war. So lag zu Beginn der Verkaufspreis des US-Dollar zwischen 14,30 und 15 Pesos, der Kaufpreis zwischen 13,50 und 14. Der Euro öffnete zwischen 15 und 16 für den Kauf und 16 bis 17 für den Verkauf.

Die allererste Operation auf dem Großhandelsmarkt soll für 13,90 Pesos pro Dollar abgelaufen sein. Kurz vor Mittag tauchten die ersten Referenzkurse auf, daraufhin pendelte sich der Großhandels-Dollarkurs knapp unter 14 Pesos ein und stabilisierte sich bei etwa 13,90.

Dies ist liegt bisher ein wenig unter dem Niveau wie die entsprechenden Schwarzkurse ("Dólar Blue") am Vortag, der 14,50 betrug. Die Abwertung im Vergleich zum "offiziellen" Kurs am Vortag betrug dagegen etwas über 40 Prozent. Laut Medienberichten soll die Zentralbank mit Verkäufen eingreifen, falls der Dollarkurs über 15 Pesos steigen sollte.

Es wird am ersten Tag der Freigabe mit einem eher ruhigen Markt gerechnet: Importeure und andere Großkäufer müssen erst ihre Systeme aktualisieren und werden daher erst nach und nach in den Markt einsteigen. Der Agrarsektor hat sich dagegen verpflichtet, schon am ersten Tag 400 Millionen US-Dollar zu verkaufen. Aus diesem Grund prognostizierten Analysten keinen allzu hohem Kaufdruck und keinen zu hohen Sprung des Kurses.

Update 2: Auch am Freitag blieb der Wechselkursmarkt ruhig, der Dollarpreis gab sogar etwas nach. Diesmal waren die Systemprobleme bei den Banken und Wechselstuben behoben. Dennoch blieb der von einigen befürchtete Run auf den Dollar und andere Devisen aus. Der Dollarkurs stabilisierte sich zwischen 13.50 und 14.30 Pesos beim Verkauf - je nach Bank bzw. Wechselstube - und zwischen 13.20 und 13.75 für den Kauf. Der Großhandelspreis notierte zwischen 13.25 und 13.50.

Insgesamt wird die Abwertung und die Aufhebung der Restriktionen bisher als Erfolg bewertet. Das Handelsvolumen war zwar bisher gering, und es wird erwartet, dass der Dollarkurs wieder etwas anzieht, sobald größere Kaufoperationen etwa durch Importeure anstehen. Der Beginn der Sommersaison Ende Dezember wird auch zu vermehrten Dollarkäufen von Privatleuten für Auslandsreisen führen. Dennoch wurde das Ziel erreicht, den bisherigen Schwarzkurs zu unterbieten und damit am Markt keine Panik aufkommen zu lassen. Mit einem Dollarpreis um oder unter 14 Pesos wird erwartet, dass es keinen zusätzlichen Inflationsdruck gibt und einige spekulative Preiserhöhungen sogar zurückgenommen werden könnten. Sollte der Preis weiter sinken, könnte die Zentralbank durch eigene Käufe die Reserven aufstocken.

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