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Die Provinz Buenos Aires - Porträt & Reiseführer

Die Provinz Buenos Aires ist in jeder Hinsicht die größte und wichtigste Provinz Argentiniens. Sie hat bei weitem die höchste Einwohnerzahl (15,5 Millionen laut der Volkszählung im Jahr 2010), außerdem ist sie flächenmäßig die größte und hat die zweithöchste Bevölkerungsdichte (44 Einwohner pro km²) hinter dem viel kleineren Tucumán. In diesem kleinen Führer werden die Provinz Buenos Aires und ihre wichtigsten Reiseziele vorgestellt.

Steckbrief

Las Pampas

Endloses Grün: die Pampa-Grasebene. Foto: Irargerich / Wikimedia Commons / CC-BY-SA

Landschaftlich gehört die Provinz Buenos Aires ganz zur Pampa-Region, nur ein kleiner Zipfel im extremen Süden gehört schon zum patagonischen „Monte“, einer trockenen Strauchsteppe. Im Kontrast zum fast vollständig flachen Norden gibt es im Süden der Provinz einige Erhebungen: die beiden Gebirgssysteme Sierra de la Ventana (bis 1200 m hoch) und Sierra de Tandil (bis 450 m hoch) sowie kleinere Hügelketten wie die Sierra de los Padres (bis 250 m hoch). Bei Mar del Plata reicht dieses Hügel- bis Bergland fast bis zum Atlantik. Die Landschaft ist durchaus reizvoll, es gibt jedoch außerhalb einiger weniger Orte kaum Tourismus.

Geprägt wird die Provinz Buenos Aires vom Kontrast zwischen den endlosen Weiten der Pampa und dem Vorortgürtel der Hauptstadt, dem Gran Buenos Aires. Dieser Kontrast ist nicht nur landschaftlich, sondern auch politisch sichtbar: so ist der Vorortgürtel traditionell dem Peronismus zugeneigt, während im Landesinneren auch andere Parteien wie die UCR stark auftreten.

Die Wirtschaft der Provinz ist vielfältig, aber in weiten Teilen geprägt durch die Landwirtschaft. Die Großstädte sowie das Gran Buenos Aires sind dagegen wichtige Industriezentren. Trotz des Reichtums der Provinz gibt es auch hier Armut: Vor allem Umsiedler, die aus dem Norden oder Süden, meist aus abgelegenen Gebieten wie die Ebenen des Chaco, in die scheinbar unbegrenzt boomenden Städte der Pampa kamen, wurden oft enttäuscht und leben heute in Slums, aus denen ein gesellschaftlicher Aufstieg äußerst schwer ist. Besonders kritisch ist die Situation in einigen Distrikten des Gran Buenos Aires.

Das fruchtbare Land und das angenehme, gemäßigte Klima sorgten schon früh dafür, dass sich der größte Teil der Einwanderer aus Europa in dieser Provinz niederließ, um Landwirtschaft zu betreiben. Die Häfen und Handelszentren aus dieser Zeit wurden im 20. Jahrhundert fast alle zu Industriestädten, in denen sich alle möglichen Dienstleistungen etablierten.

Die Städte

Zunächst einmal besitzt die Provinz Buenos Aires eine Reihe von prosperierenden Landstädten. La Plata, die Provinzhauptstadt mit 800 000 Einwohnern, liegt nur 50 km südlich von Buenos Aires und ist eine typische Verwaltungs- und Dienstleistungsmetropole. Mar del Plata (700 000 Ew) an der Atlantikküste ist Zentrum der Fischereiindustrie und vor allem des Strand-Tourismus. Das Zentrum der Petrochemie liegt in Bahia Blanca (350 000 Einwohner) im Südwesten der Provinz. Weitere wichtige Städte sind San Nicolás (150 000 Ew) und die Doppelstadt Zárate / Campana (zusammen 170 000 Ew) im Norden der Provinz, sowie Olavarría und Tandil im Landesinneren und Necochea an der Atlanttikküste mit ebenfalls je knapp über 100 000 Einwohnern.

Die unbekannte Megacity: Das Gran Buenos Aires

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Zentrum der Stadt Quilmes. Foto: Quilmeño89 / Wikimedia Commons / CC-BY-SA


Der Ballungsraum Gran Buenos Aires, der die Landeshauptstadt umgibt, hat es in sich: Hier wohnen nicht nur zwei Drittel der Provinzbevölkerung, sondern fast ein Viertel der Bewohner Argentiniens überhaupt. Mit dem direkt südlich von Buenos Aires liegenden La Matanza (1,7 Mio. Einwohner) hat das Gran Buenos Aires gar die zweitgrößte Gemeinde des Landes zu bieten.

Die Städte des Ballungsraums werden zwar oft  in der Presse als bloße Anhängsel der Landeshauptstadt dargestellt. Doch die Identität von "Stadt-" und "Provinzbewohnern", "Porteños" und "Bonaerenses" ist völlig unterschiedlich. Und es gibt durchaus einige Städte mit einem eigenen Leben, in denen sich auch kulturell einiges tut. Zu nennen sind Quilmes im Südosten am Río de la Plata, bekannt durch seine Bierbrauerei, den "Bierpark", die Flusspromenade und viel Kultur; Ramos Mejía im Südwesten mit einer boomenden Gastronomie und Nachtleben, sowie das geschäftige Lomas de Zamora im Süden. Geradezu ein traditionelles Reiseziel ist dagegen Tigre im Norden mit seinem wunderschönen Inseldelta.


Kleiner Reiseführer der Provinz Buenos Aires

Villa Gesell playa 04

Der Badeort Villa Gesell. Foto: Roberto Fiadone / Wikimedia Commons / CC-BY-SA

Interessante touristische Anziehungspunkte sind vor allem die Städte und die Atlantikküste, sowie in geringerem Maße die doch recht lieblichen Gebirge. Allerdings ist in dieser Provinz der Tourismus wegen der hohen Bevölkerungsdichte auf einem hohen, schon fast europäischen Niveau, an einigen Orten kann man durchaus von Massentourismus sprechen. Einige Badeorte am Atlantik und Bergdörfer in den Hügeln dieser Kern-Provinz bieten jedoch bis heute fast wahre Einsamkeit.

Die beliebtesten Reiseziele der Provinz Buenos Aires:

  • Mar del Plata. Sonne, Strand und Trubel: Der Badeort gilt als Sommerhauptstadt Argentiniens und hat eine beeindruckende Skyline. Kulturell und vom Nachtleben her ist er der vielfältigste Sommerreiseziel der Republik, der Strand kann jedoch sehr voll werden und ist nichts für Ruhesuchende.
  • Sierra de la Ventana. Der kleine Ort im Südwesten der Provinz bietet den besten Zugang zur gleichnamigen Bergkette, die vom wunderschönen "Cerro Ventana" mit seinem Felsfenster geprägt wird und die höchste der Provinz ist. Im Sommer kann der Ort ziemlich voll werden, im Rest des Jahres ist er jedoch auch Ruhesuchenden zu empfehlen.
  • Villa Gesell. Der Badeort gilt als der jüngste und dynamischste der Küste. Er zehrt nach wie vor vom Mythos der Sechzigerjahre, als er von Hippies und linken Studenten entdeckt wurde. Empfehlenswert ist er auch für Freunde der Rockmusik dank seines Festivals Gesell Rock.
  • Pinamar. Im Gegensatz zum alternativen Villa Gesell ist Pinamar der In-Badeort der Ober- und Mittelschicht, mit über-coolen Diskotheken, teuren Hotels und dem bewaldeten Villenviertel Cariló. Dank der bewaldeten Anlage ist es dennoch ein angenehmer Badeort mit schönem Strand.
  • Tigre. Der Ort im Norden des Gran Buenos Aires ist bei weitem das beliebteste Naherholungsgebiet der Megalopolis. Er liegt am Paraná-Delta, ein wunderschönes Inselreich mit alten Villen und einigen Restaurants. Mit urigen Holzbooten kann man die Inseln durchforsten.
  • Monte Hermoso. Der aufstrebende Badeort ganz im Süden der Provinz hat warmes Wasser und einen schönen Pinienwald zu bieten. Die Natur weicht aber immer mehr den Hochhäusern.
  • Necochea. Besonders in den Siebziger- und Achtzigerjahren war dieser Badeort der zweitgrößte nach Mar del Plata, heute hat er etwas an Bedeutung eingebüßt. Besonderes Highlight: Der riesige bewaldete Parque Miguel Lillo, der wohl schönste Küstenpark Argentiniens.


Geheimtipps in der Provinz Buenos Aires:

Cerro ventana - mirador

Die Sierra de la Ventana. Foto: Mauryfrapi @ Wikimedia Commons / CC-BY-SA

  • Pehuén-Có. Der kleine Badeort bei Bahía Blanca entzückt Ruhesuchende mit seiner fast komplett bewaldeten Ortsanlage, verwundenen Sträßlein und kuriosen Ferienhäusern - und ist weit günstiger als Cariló.
  • Tandil. Die Stadt liegt inmitten der zweithöchsten Bergkette der Provinz und ist von kuriosen Felsformationen umgeben. Ein Paradies zum Wandern und Mountainbiken.
  • Quilmes. Etwa 20 km südlich von Buenos Aires gelegen, besticht die 250.000-Einwohner-Stadt mit kuriosen Stadtvierteln, vielen Bars und einer schönen Uferpromenade am Río de la Plata. Auch kulturell tut sich in der Stadt einiges.
  • Las Toninas. Ein wunderschöner, naturnah angelegter Badeort nahe der Mündung des Río de la Plata in den Atlantik. Hier kann man noch in Ruhe Sonne tanken.
  • San Pedro. Ein herrlich am Río Paraná gelegenes Städtchen mit üppig grünen Küstenauen und vielfältigen Wassersport- und Angelmöglichkeiten.

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