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Die Provinz Córdoba - Porträt & Reiseführer

Jahr für Jahr zieht es besonders im Sommer Millionen Reisende in die Provinz im geografischen Zentrum des Landes. Sie bietet einmal die zweitgrößte Stadt und die Bildungsmetropole Argentiniens schlechthin: Die Provinzhauptstadt Córdoba ist mit 1,4 Millionen Einwohnern, fast 200.000 Studenten und einer prosperierenden High-Tech-Industrie eine der dynamischsten Städte des Landes - ein lebendiges kontrastreiches Potpourri, das es sich zu entdecken lohnt. Doch auch das Landesinnere zieht in- und ausländische Besucher magisch an. In der Bergkette Sierras de Córdoba finden sich wunderbare Outdoor- und Bademöglichkeiten sowie eine Reihe hübscher, prosperierender Städte mit einem sehr eigenständigen Flair. Doch es gibt auch unentdeckte, wenig bekannte Schönheiten: So liegt mit Mar Chiquita im Nordosten der Provinz Argentiniens größter See, und im zur Chaco-Savanne gehörigen Norden erinnern urige Kleinstädtchen an die Atmosphäre der Nordprovinzen.


Die Sierras de Córdoba - Argentiniens beliebtestes Mittelgebirge

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Dach der Pampa: Der Cerro Champaquí. Foto: Patricio Watson / Wikimedia Commons / CC-BY-SA/GFDL/FAL

Zwischen 800 und 2770 Metern über dem Meeresspiegel erheben sich die Gipfel der Bergkette Sierras de Córdoba, die den Westen der Provinz von Nord nach Süd durchzieht. Zwischen den von karger Vegetation und felsigen Landschaften geprägten Sierren finden sich die lieblichen Täler Valle de Punilla und Valle de Traslasierra. Dort reiht sich heute ein Fremdenverkehrszentrum an das andere. Obwohl die Flüsse eher Gebirgsbäche sind, führen sie im feuchten Sommer genug Wasser, um zahlreiche schöne und beliebte Badestellen zu bieten. Daneben gibt es eine Reihe von Stauseen wie der Lago San Roque.

Als touristisches Zentrum der Region gilt das malerisch am Südende des San-Roque-Sees gelegene Villa Carlos Paz, das mit fast 100.000 Einwohnern im Großraum zu einer stattlichen Stadt mit Hochhäusern und einem überregional bekannten Nachtleben herangewachsen ist. Aber auch für Aktivurlauber lohnt sich eine Reise hierhin: Nahezu jede Bergsportart - vom Mountainbike bis hin zum Paragliding - lässt sich im Umkreis von einer Auto- oder Busstunde rund um Carlos Paz ausüben. Im Januar und den ersten beiden Februarwochen sowie zu Ostern ist Carlos Paz allerdings sehr voll - Ruhesuchende sollten den Ort dann meiden.

Nördlich von Carlos Paz erstreckt sich das Punilla-Tal mit weiteren bekannten Ferienorten: Cosquín ist bekannt für sein großes Folklorefestival im Sommer, La Falda lockt mit einem kleinen Stausee und vielen Flussbadestränden, und La Cumbre auf 1100 Metern Höhe ist so etwas wie die Sommerfrische von Córdoba - hier sind die Temperaturen selbst im Januar sehr angenehm. Ganz im Norden des Punilla-Tals liegt der vielleicht bizarrste Ferienort Argentiniens, Capilla del Monte, in dem Ufologen, Esoteriker und andere Freaks sich wie zu Hause fühlen können. Gassen, kleine Plazas, Hänge und kuriose Wochenendresidenzen in vielen Baustilen verleihen den Orten viel Atmosphäre - man findet in den Sierras-Städtchen kaum das in vielen Kleinstädten Argentiniens für urbanistische Langeweile sorgende Straßen-Schachbrettmuster.

Fast ebenso beliebt wie das Punilla-Tal ist das Calamuchita-Tal südlich der Stadt Córdoba. Es hat drei große touristische Zentren. Einmal ist da das im Stil eines Alpendorfs gestaltete Städtchen Villa General Belgrano, bekannt ist für sein Oktoberfest und die schöne Lage inmitten aufgeforsteter Wälder. Mehr dem Badetourismus zugeneigt sind die Besucher von Santa Rosa de Calamuchita und Embalse, wobei ersteres an einem für die örtlichen Verhältnisse breiten Fluss, zweiteres an einem Stausee liegt. Kleinere Orte wie die urige "Alpenenklave" La Cumbrecita und Villa Ciudad de América bieten auch Ruhesuchenden Zuflucht.

Etwas einsamer geht es im Traslasierra-Tal zu. Zwar ist auch hier mit Mina Clavero ein großes Fremdenverkehrszentrum zu finden, doch der Großteil der Region wird von einsamen Felslandschaften und noch sehr ursprünglichen Dörfern bestimmt. Und der weitab des Trubels gelegene Stausee La Viña ist vielleicht der schönste Argentiniens.


Die Stadt Córdoba: jung und traditionell zugleich

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Córdoba am Abend, im Vordergrund der Parque Sarmiento - Foto: Vanesa Camaño / Wikimedia Commons / CC-BY-SA


Die Provinzhauptstadt Córdoba ist eine Stadt der Kontraste. Bekannt für ihre zahlreichen Universitäten und Kultureinrichtungen, wird die Stadt "La Docta" - die Gelehrte - genannt. Als jesuitische Gründung führte sie lange den Beinamen "Rom Argentiniens" und galt als Hochburg des Klerus und der Konservativen. Heute findet der Besucher jedoch eine kosmopolitische Metropole vor, in der die traditionellen Familien sich den urbanen Raum mit Einwanderern aus dem Norden und auch mit einigen der progressivsten Völkchen des Landes teilen, was nicht immer ohne Konflikte bleibt. Córdoba hat heute von Argentiniens Großstädten den höchsten Anteil von 20- bis 35-Jährigen - unter Urbanisten ein Indiz für die Dynamik einer Stadt. Auch die LGBT-Szene ist landesweit renommiert. Und dennoch halten sich bis heute Bräuche wie im tiefkatholischen Nordargentinien, so etwa die Sitte, beim Vorbeigehen an einer Kirche das Kreuzzeichen zu machen.

Der Besucher sollte sich auf einer Reise in die Stadt Córdoba von der auch für argentinische Verhältnisse zurückgebliebenen Infrastruktur nicht abschrecken lassen. Denn es locken nicht nur die bedeutenden Jesuitenbauten im Zentrum, die zu den ältesten Argentiniens überhaupt gehören, sondern auch zwei der besten Kunstmuseen des Landes, ein buntes Kneipen- und Nachtleben und eine vielfältige Musikszene. Das "Cuarteto", eine im Umland der Stadt entstandene Ausprägung der Popmusik und -Kultur, ist auch im Rest Argentiniens aus den Diskotheken nicht mehr wegzudenken. Und wer sich in den Underground wagt, der findet zum Teil hochklassige Indie- und Elektromusiker.

Im direkten Umland von Córdoba liegen weitere interessante Reiseziele: so im Südwesten das für seine Jesuitenbauten und sein Che-Guevara-Museum bekannte Alta Gracia mit einem der malerischsten Stadtzentren Argentiniens, im Nordwesten Río Ceballos mit einem Stausee und mehreren Wasserfällen und im Norden die geschäftige Doppelstadt Jesús María-Colonia Caroya mit alten Kolonialbauten, schmackhaften gastronomischen Spezialitäten und vielen Festivals.


Unermessliche Weiten und viel Tradition: Mar Chiquita und der Norden

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Strandleben am Salzsee Mar Chiquita - Foto: Kkkr - Wikivoyage - CC-BY-SA


Eine Reise nach Córdoba bietet jedoch viel mehr als Berge und Stadt: Im flachen Nordosten Córdobas liegt mit Mar Chiquita der zweitgrößte See Südamerikas und einer der größten ganzjährig Wasser führenden Salzseen der Welt, bekannt für seinen Vogelreichtum und die heilsamen Kräfte seines salzigen Wassers. Die meisten Flüsse Córdobas und der Nachbarprovinzen münden in dieses "kleine Meer", von dessen Stränden man anders als etwa am Titicacasee niemals das gegenüberliegende Ufer erblicken wird. In Miramar finden Besucher einen kleinen Badeort mit ausgebauter touristischer Infrastruktur - und etwas abseits wunderbare unentdeckte Küstenlandschaften.

Ebenfalls weitgehend unbekannt sind die Bergregionen im Norden von Córdoba. Hier finden sich mit dem Cerro Colorado einer der bekanntesten Felsmalereien des Landes, die bizarren Felsformationen von Ongamira und subtropische Savannenlandschaften, mittendrin urige Städtchen wie San Francisco del Chañar und vor allem Villa Tulumba, der vielleicht ursprünglichsten Kleinstadt des Landes.

Krater, Städte und Pampa-Idylle: Der Süden

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Winterstimmung in Laboulaye im Süden der Provinz. Foto: ELB / CC-BY-SA 3.0


Der Süden und Osten der Provinz sind eines der produktivsten Landwirtschaftsgebiete des Landes. Leider bedeutet dies auch, dass von der ursprünglichen Buschlandschaft nur noch wenig zu sehen ist - auf einer Reise durch die Gegend kann man Dutzende Kilometer weit ausschließlich riesige Felder antreffen. Unterbrochen werden sie von einigen einsamen Seen wie etwa bei Huinca Renancó, Flüssen und von den bizarren, sandigen Meteoritenkratern von Río Cuarto.

Dank der Agro-Industrie schossen in dieser Region prosperierende Städte aus dem Boden, die durchaus einen Blick wert sind. So liegt das adrette Villa María mit seinen 100.000 Einwohnern schön an Córdobas wassereichstem Fluss Río Ctalamochita (auch Tercero). In der Universitätsstadt Río Cuarto (160.000 Einwohner) im Süden der Provinz findet sich ein schöner Uferpark und eine kleine, aber feine und wachsende Kulturszene - und in ihrem Umland einige der ruhigsten Ferienorte der Sierras de Córdoba.

Die beliebtesten Reiseziele in der Provinz Córdoba

La Falda, Córdoba

Fast europäisches Stadtbild: La Falda. Foto: Federico Gómez Aghetta / CC0

  • Córdoba. Ein ganz eigenes urbanes Erlebnis bietet die Millionenstadt mit ihrer riesigen Universität, den alten Jesuitenbauten, der derben Comedy-Szene und der Cuarteto-Musik. Mehr ...
  • Villa Carlos Paz. Die Stadt am Lago San Roque punktet mit einer schönen Lage am See und im Sommer und an langen Wochenenden einem erstklassigen Nachtleben. Rund um den Ort sind so gut wie alle denkbaren Outdoor-Sportarten möglich. Mehr ...
  • La Falda. Verwinkelte Straßenzüge und ein kleiner Stausee machen diese 30.000-Einwohner-Stadt zu einem der schönsten Reiseziele der Sierras de Córdoba. In der Umgebung kann man einige Berggipfel erklimmen, die eine herrliche Aussicht auf das Punilla-Tal bieten.
  • Villa General Belgrano. Ein fast originalgetreu bayrisch wirkendes Städtchen inmitten aufgeforsteter Tannenwälder mit herrlichen Wandermöglichkeiten. Wen wundert es, dass es hier ein Oktoberfest gibt?
  • Mina Clavero. Aufstrebendes Reiseziel mit reizvollen, felsigen Flusstränden. Im Sommer sehr voll. Bietet sich an als Stützpunkt einer Reise über die raue Hochebene der Altas Cumbres bis hin nach San Luis an.
  • La Cumbre. Hauptattraktion des höchstgelegenen Ferienortes des Punillatals - im Winter kann es schon mal schneien - ist der Camino de los Artesanos, ein traditionsreicher Weg mit vielen Kunsthandwerkern. Der Ort hat eine schöne Innenstadt und wird gerne von Rucksacktouristen besucht.
  • Capilla del Monte. Ganz im Norden des Punillatals liegt dieses Städtchen am sagenumwobenen, knapp 2.000 Meter hohen Cerro Uritorco. Ein Paradies für Wanderer mit bizarren Felsenlandschaften, einem Stausee und reizvollen Flussstränden - und für Esoteriker, die angeblich von einer mysteriösen Energie angezogen werden.

Geheimtipps in der Provinz Córdoba

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Chaco-Landschaft bei Cerro Colorado. Foto: Claudio Elias / PD

  • Nationalpark Quebrada del Condorito. Vielleicht der beste Ort Zentralargentiniens, um Kondore - fast - in freier Wildbahn zu erleben. Nicht nur die hier seit 1996 wieder angesiedelten Riesenvögel, sondern auch spektakuläre Aussichten auf gefühlt die halbe Provinz belohnen den Besucher, der in das Reservat nur mit dem Mountainbike oder zu Fuß einreisen darf.
  • Mar Chiquita und Miramar. Der riesige Salzsee bietet fast das ganze Jahr über Badefreuden. Das Wasser und sein mineralreicher Schlamm bietet heilsame Qualitäten, das gegen viele Krankheiten helfen soll. Abseits vom Ferienort Miramar findet sich herrliche, oft bizarre Natur zwischen Lagunen, Salzebenen, Sand und Chaco-Landschaft.
  • La Cumbrecita. Unter Kennern gilt der Ort als eines der schönsten Bergdörfer des Landes. Wie das nahe Villa General Belgrano durch Mitteleuropäer errichtet, ist das tagsüber autofreie Dorf eine herrlicher Ort, um sich zu erholen und die Sierras kennenzulernen. Reisenden und Auswanderern, die sich nach Mitteleuropa zurücksehnen, werden in den vielen Restaurants gerne entsprechende gastronomische Spezialitäten serviert.
  • Cerro Champaquí und Yacanto. Der höchste Berg der Sierras de Córdoba ist mit 2770 Metern zwar kein wirklicher Bergriese, hebt sich jedoch klar von den umgebenen Gipfeln ab und bietet grandiose Aussichten. Ausgangspunkt für die Trekking-Tour auf den Gipfel ist Yacanto im Calamuchita-Tal, unweit von La Cumbrecita gelegen.
  • Alpa Corral und Achiras. Die beiden im Süden der Sierras nahe Río Cuarto gelegenen Dörfer bieten weit weniger Rummel als ihre nördlichen Pendants. Grüne bewaldete Berghänge, Wasserfälle und kleine, zum Erfrischen einladende Flüsse mit vielen reizvollen Badestellen machen die Reise hierhin zu einem sehr erholsamen Erlebnis.
  • Cerro Colorado. Zentralargentiniens bekannteste Felsmalereien kann man in dem kleinen Dorf bestaunen, das reizvoll in einer von erdigen Hügeln geprägten Landschaft liegt.
  • San Marcos Sierras. Neben El Bolsón ist San Marcos Argentiniens Hippie- und Backpacker-Mekka schlechthin - es wird allerdings weitgehend von Einheimischen besucht. Ausländer haben den winzigen, von Campingplätzen und Biobauern geprägten Ort mit seinem schönen Flussstrand am Río Quilpo noch kaum entdeckt.
  • Villa Tulumba. Das alte Städtchen im Norden der Provinz besticht mit einem besonders ursprünglichen Flair und einem gut erhaltenen alten Zentrum. Hier kann man noch auf waschechte Gauchos treffen, und Touristen sind rar. Der Besuch lässt sich gut mit dem nahen Cerro Colorado kombinieren.

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