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Die Provinz Catamarca - Porträt & Reiseführer

Die Provinz Catamarca ist eine der vielen unentdeckten Schönheiten Argentiniens. Sie liegt im Nordwesten des Landes und hat Anteil an den Anden mit ihren vielfarbigen Tälern, der legendären Hochebene Puna und den Sierras Pampeanas. Von urwaldhaften Feuchtlandschaften im Osten bis hin zu Halbwüsten im Westen bietet sie viel Abwechslung. Drei in Nord-Süd-Richtung verlaufende Bergketten, die Anden, die Voranden und die Sierras Pampeanas, fungieren als Wetterscheide, so dass jede Region ihr eigenes Mikroklima hat.

Catamarca gehört trotz eines Aufschwungs seit den 1990er Jahren nach wie vor zu den ärmeren Provinzen im Land. Jahrhundertelang herrschten feudale Zustände. Berüchtigt war die Misswirtschaft unter der Saadi-Familie, die bis in die frühen neunziger Jahre den Provinzverband der Peronisten und die Regierung beherrschte und dabei ein derart korruptes System etablierte, dass die Provinz nach einem Mordfall 1991 von der Nationalregierung interveniert wurde.

Die Wirtschaft der Provinz bietet zwar dank der zahlreichen Vegetationszonen und Bodenschatzvorkommen große Potenziale, aber es fehlt noch an Infrastruktur. Ein großes Entwicklungshemmnis ist die Lage zwischen verschiedenen Bergkämmen mit Höhen von über 4000 Metern. So ist für die 35 Kilometer Luftlinie zwischen der Hauptstadt Catamarca und Pomán im westlich davon gelegenen Längstal ein 150 km langer Umweg erforderlich - der kürzeste Weg schließt gar einen Abstecher in die Provinz La Rioja ein. Kein Wunder, dass sich die Industrie fast nur im Catamarca-Tal ausgebreitet hat, das über gute Straßenverbindungen zu den wichtigen Märkten Tucumán und Córdoba verfügt. Im Rest der Provinz, der lange vom Bergbau lebte, wird nach dem Niedergang dieses Wirtschaftszweiges verstärkt auf Tourismus gesetzt.

Einsamkeit und rötliche Erde: die Puna Catamarqueña

Llamas y laguna en Antofagasta de la Sierra, Catamarca

Lamas vor einem See bei Antofagasta de la Sierra. Foto: Ludmilasatu / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0

Den gesamten Norden von Catamarca nimmt die Puna ein, eine Hochwüste, die etwa ein Drittel der gesamten Provinzfläche bedeckt und hier am ödesten und trockensten ist: in der Puna Catamarqueña fallen nur 80 mm Niederschlag im Jahr und damit nur ein Drittel von dem Wert, der etwa in La Quiaca (Jujuy) gemessen wird. Sie wird im Westen von den Anden begrenzt. Dort liegt mit dem 6.885 Meter hohen Ojos del Salado an der Grenze zu Chile der höchste Vulkan der Erde.

Nur in wenigen Oasen ist die Puna hier für die Landwirtschaft geeignet. Eine einzige Kleinstadt mit knapp 1000 Einwohnern, Antofagasta de la Sierra, ballt die Bevölkerung in dieser Einöde. Die einzigen weiteren Posten der Zivilisation sind Salzförderungsbetriebe am Salar del Hombre Muerto und den Nachbarsalzseen sowie das Bergwerk Incahuasi. Inzwischen widmet sich Antofagasta auch etwas dem Tourismus, so dass der Reisende Exkursionen und geführte Touren in dieser malerischen, surreal wirkenden Landschaft unternehmen kann: zu Salzseen, vielfarbigen Bergketten und kleinen Oasen.

Die Präkordillere: Liebliche Täler und dramatische Felslandschaften

Ciudad y Río Belen desde el mirador

Tal bei Belén. Foto: Santiago matamoro / Wikimedia Commons / GFDL & CC-BY-SA 3.0

Südöstlich der Puna erstreckt sich von Nord nach Süd der Kamm der Voranden. Zwischen den einzelnen Nebenkämmen befinden sich Hochtäler in 1500 bis 3000 Metern Höhe. Sie weisen ein fast genauso trockenes Klima wie die Puna auf, einige Flüsse bieten aber Möglichkeiten zur Bewässerung, so dass hier auch Landwirtschaft betrieben wird. Die größten Städte in diesem Gebiet sind Belén im Norden und Tinogasta im Süden, sie besitzen jeweils etwa 10.000 Einwohner.

Die Berglandschaft beeindruckt durch vielfarbige, oft rötliche Felsen und bewaldete Täler, die beispielsweise im kleinen Ort Hualfín ganz im Norden beeindruckende Fotomotive ergeben. Östlich der Präkordillere liegt die flache Steppenlandschaft Campo de Belén, eine heiße, trockene Ebene mit gelegentlichem Olivenanbau an fruchtbaren Stellen. Im Nordosten der Provinz zwischen Präkordillere und Sierra öffnet sich das Valle Calchaquí, das sich bis in die Provinz Salta erstreckt. Dort liegt die zweitgrößte Stadt Santa María de Yocavil mit 20.000 Einwohnern inmitten fast surrealistischer Felsformationen.

Catamarca und die Sierras Pampeanas

Dique pirquitas

Der Stausee Pirquitas bei Catamarca. Foto: Cat891111 (GustavoPL) / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0

Ganz im Osten der Provinz zieht sich die Region der Sierras Pampeanas mit den beiden Bergketten Sierra de Ambato und Sierra de Aconquija mit einer feuchteren Vegetation von Nord nach Süd. Besonders im Norden mit seinen saftig grünen Wiesen und Feuchtwäldern spürt man schon den Einfluss des subtropischen Urwaldklimas der Nachbarprovinz Tucumán. Inmitten dieser Bergketten liegt das Catamarca-Tal mit der Hauptstadt San Fernando del Valle de Catamarca.

Catamarca ist eine alte Stadt mit vielen kolonialen und neokolonialen Bauten. Aus einer etwas rückständigen Provinzstadt ist in den letzten Jahrzehnten eine ansehnliche Regionalmetropole geworden. Die Lage an einem Hang gibt ihr einen eigenen Charakter; von höhergelegenen Stadtvierteln gibt es schöne Ausblicke aufs Zentrum. Die Fußgängerzone wirkt großstädtisch lebhaft und recht modern, und die Museen wurden in letzter Zeit technologisch aufgerüstet. Die Stadt ist nicht nur Verwaltungs-, Dienstleistungs- und Industriezentrum der Provinz, sondern auch ein wichtiger Wallfahrtsort: im Norden der Stadt befindet sich die vielbesuchte Grotte der Virgen del Valle.

Rund um Catamarca estreckt sich ein vielgestaltiger Ballungsraum aus kleinen, von der Landwirtschaft geprägten Dörfern, die fast unmerklich ineinander übergehen und zum Teil sehr alt sind. Während in Richtung Norden die Landschaft immer feuchter wird, findet man ganz im Süden des Tals eine fast ebene, trockene und salzige Fläche, die zum Espinal, dem südlichen Chaco, gehört.

Die wichtigsten Reiseziele in der Provinz Catamarca

Catedral Basílica Nuestra Señora del Valle, Catamarca

Kathedrale von San Fernando del Valle de Catamarca. Foto: Agus ferrocarril / Wikimedia Commons / GFDL & CC-BY-SA

  • San Fernando del Valle de Catamarca. Die Hauptstadt zählt mitsamt ihrer Vororte 200.000 Einwohner. Sehenswerte Bauten sind die schöne rosafarbene Basilika von 1869 mit einem Stilmix aus Barock und Klassizismus, in der man die teils bizarren Geschenke der Pilger an die Virgen del Valle bestaunen kann, und die San-Francisco-Kirche von 1905. Die Museen widmen sich vorwiegend lokalen Themen wie der Wallfahrtstradition und der Regionalgeschichte und sind sehr ansprechend und modern eingerichtet. Das Poncho-Fest im Winter mit Folklorekonzerten zieht Zehntausende an.
  • Belén und Londres. Im Norden der Provinz liegt die Stadt Belén am Eingang einer felsigen Schlucht. Die Stadt hat dank ihrer vergleichsweise engen Gassen einen eigenständigen Charakter. Beinahe ein Vorort ist das nordwestlich gelegene, äußerst ruhige Londres, das nach Santiago del Estero die zweitälteste noch erhaltene argentinische Stadtgründung darstellt. In der Umgebung bei Shinkal finden sich Ruinen aus der präkolumbischen Zeit.
  • Santa María del Yocavil. Die Stadt liegt pittoresk im von farbenreichen Hügelketten und schneebedeckten Bergen gesäumten Valle Calchaquí im extremen Norden der Provinz und wird meist von Tucumán oder Salta aus besucht. Santa María bietet vergleichsweise wenige historische Bauten, dafür sind zahlreiche Ruinen aus der präkolumbischen Zeit und vielfältige Naturschönheiten in der Umgebung zu besichtigen. Im Spätsommer findet hier das berühmte Pachamama-Fest statt.
  • Antofagasta de la Sierra. Der kleine Ort belegt die einzige nennenswerte Oase der Puna und ist Ausgangspunkt für viele Touren in diese malerische Landschaft. Rund um den Ort locken etwa der Vulkan Alumbreras, natürliche Thermalquellen und kuriose Lavaformationen. Nach Jahrzehnten der Stagnation ist der Tourismus erwacht und es gibt im Ort inzwischen mehrere Veranstalter, die diese Touren durchführen.
  • El Rodeo. Nur knapp 35 Kilometer westlich der Provinzhauptstadt liegt das wichtigste Naherholungsziel inmitten eines schönen Talkessels. Gesäumt von bis zu 4000 Meter hohen Berggipfeln und durchzogen von zahlreichen Flüssen und Bächen, die an den Hängen Wasserfälle bilden, ist der Ort im Sommer recht voll, ansonsten jedoch ein äußerst ruhiges Bergdorf mit vergleichsweise wenig touristischer Infrastruktur.

Geheimtipps in der Provinz Catamarca

Balcozna

Saftiges Grün: Balcozna. Foto: Stefan sauzuk / Wikimedia Commons / GFDL & CC-BY 3.0

  • Andalgalá und Las Estancias. Im Nordosten liegt das vom Oliven- und Baumwollanbau geprägte Städtchen Andalgalá mit zwei archäologischen Museen, in denen kuriose Grabmäler besichtigt werden können. Wenige Kilometer östlich beginnt das spektakuläre Aconquija-Tal an der Grenze zu Tucumán mit feuchter Vegetation und zahlreichen alten Estancias.
  • Hualfín. Der kleine, als Reiseziel wenig bekannte Weinbauort nördlich von Belén liegt in einem beeindruckenden Tal mit hohen rötlichen Felswänden und vielen wunderbaren Wander- und Ausflugsmöglichkeiten.
  • Tinogasta. Das "Tor zu den Anden" ist ein hübsches Landstädtchen mit circa 15.000 Einwohnern inmitten einer vornehmlich durch den Weinbau genutzten Oase. Rund um die Plaza finden sich mehrere historische Gebäude im stilechten Weiß, und in der Umgebung gibt es schöne Tourmöglichkeiten in die Berglandschaften der Präkordillere.
  • Fiambalá und der San-Francisco-Pass. Ausgangspunkt ist das urige Weinbaustädtchen Fiambalá mit einer noch lebendigen Webereitradition und Thermalquellen. Von dort aus aus führt die durchgängig geteerte Nationalstraße 60 nach Chile durch die beeindruckende Landschaft der Anden mit vielfarbigen Felsen.
  • Balcozna und die Urwälder des Nordens. Ganz im Nordosten finden sich satt grüne Landschaften mit Flüssen, Feldern und den ersten Ausläufern des Nebel-Urwalds von Tucumán.

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