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Die Provinz Chaco - Porträt & Reiseführer

Die Provinz Chaco liegt im Norden Argentiniens. Wie der Name schon sagt, ist sie provinzweit von der Chaco-Savanne bedeckt. Die Landschaft ändert sich aber von Ost nach West: ist der Chaco an den Flüssen Paraguay und Paraná noch größtenteils immerfeucht und von üppiger Vegetation bedeckt, so wird er nach Westen hin von einer halbtrockenen Steppenlandschaft mit Dornbuschwäldern abgelöst. Ganz im Westen könne Dürren ein großes Problem sein, da die Wintermonate fast niederschlagslos sind.

Die Provinz ist im Osten dicht besiedelt. Im Westen werden die Abstände zwischen den agroindustriellen Städten immer größer, und die Natur ist noch weitgehend intakt. Die Wirtschaftslage der Regionen ist sehr unterschiedlich. Die fruchtbaren Gebiete im Osten sind vergleichsweise reich, da die Böden gut und die Absatzmärkte nah sind. Dagegen sind viele der etwas abgelegeneren Ansiedlungen von Armut und Randlage geprägt und geben Einwohner an die Slums der Hauptstadt ab.

Resistencia und der Osten: Skulpturen und Auenwälder

Upper part of Barranqueras River

Der Barranqueras-Fluss nahe seiner Mündung in den Paraná. Foto: Pertile / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0

Der südöstliche Teil des Chaco wird geprägt von den Flüssen Paraná und Paraguay, an denen sich eine üppig grüne Auenlandschaft entlang streckt. Das Klima ist feucht und im Sommer unangenehm schwülheiß, im ganzen Winterhalbjahr jedoch angenehm. Hier befinden sich die meisten großen Städte der Region. Entwicklungsachsen sind einmal die Flusstäler selbst und zweitens die Bahnstrecke nach Salta, an der sich die Nationalstraße 16 entlangzieht. Obwohl man im großen und ganzen von einem Kulturland sprechen kann, lugt die Natur in Form von intakten Wäldern überall hervor, und wunderschöne Orte wie die Isla del Cerrito laden zum Wandern und Entspannen ein.

Die Hauptstadt Resistencia hat knapp 300 000 Einwohner und ist mit ihrer Vorstadt Barranqueras zusammengewachsen. Sie ist eine angenehm grüne, moderne Regionalmetropole und hat als „Stadt der Skulpturen“ landesweite Berühmtheit erlangt. Sie gilt dank ihres Kulturzentrums Fogón de los Arrieros und der damit verbundenen Künstlerkolonie als Zentrum der Avantgarde-Kultur in Argentiniens Nordosten. Die Skulpturen sind wirklich sehenswert und decken verschiedenste Stile ab, es dominieren jedoch zeitgenössisch-moderne und abstrakte Gebilde sowie von den Ureinwohnerkulturen beeinflusste Richtungen. Daneben ist die Stadt für das Toba-Viertel bekannt, das sich im Westen erstreckt und von einer Ureinwohnergruppe geprägt wird, die traditionellees Kunsthandwerk herstellt.

Westlich an Resistencia schließt ein landwirtschaftlich geprägtes Gebiet an. Dort wich der Wald einer Kulturlandschaft mit Baumwoll- und Tabakanbau, geprägt von zahlreichen Mittelstädten. Die größte ist Presidencia Roque Sáenz Peña mit fast 100.000 Einwohnern, die für ihre Thermalquellen bekannt ist. In der Nähe von Sáenz Peña befindet sich der Nationalpark Chaco, der ein typisches Feuchtgebiet der Region schützt und für üppige Natur und intakte Tierwelt bekannt ist.

Der Westen und Norden: Nationalparks, Dürre und Ureinwohner

Paisaje chaqueño

Typische Landschaft im trockenen Westen des Chaco. Foto: Frazcofreortega / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0

Die Region westlich von Sáenz Peña gehört noch größtenteils der Natur. Der Impenetrable, der Undurchdringliche - wie der regionaltypische Trockenwald genannt wird - bedeckt weiterhin knapp die Hälfte der Provinz. Dank der intakten Tier- und Pflanzenwelt kann diese Region besonders Naturfreunde begeistern. Mit Jaguaren, Pumas, kleinen Krokodilen und den regionaltypischen Wildschweinen, den Pekaris, sind auch große Wildtiere vertreten. Man muss aber Glück haben, um sie zu Gesicht zu bekommen.

Zwei Reservate erschließen die Landschaft auch für Besucher. Am besten zugänglich ist das Reservat Pampa del Indio nördlich von Roque Sáenz Peña im Übergangsgebiet zwischen feuchtem und trockenen Chaco. Noch fast jungfräulich präsentiert sich der Trockenwald im Nationalpark El Impenetrable im extremen Norden der Provinz.

Juan José Castelli, ursprünglich eine Wolgadeutschen-Kolonie, ist die einzige größere Stadt der Region und der beste Versorgungs- und Ausgangspunkt für alle Touren. Rund um Castelli erstreckt sich eine größere landwirtschaftlich genutzte Region. Ganz im Nordwesten findet man die bitterarme Kleinstadt Sauzalito, die jedoch herrlich am breiten Río Bermejo mit seinen üppigen Galeriewäldern liegt und für das traditionelle Kunsthandwerk seiner Bewohner bekannt ist, die mehrheitlich der Wichí-Kultur angehören. Auch rund um den Badeort Villa Río Bermejito finden sich sehr schöne Landschaften.

Die wichtigsten Reiseziele in der Provinz Chaco

Sculpture in av. Sarmiento, Resistencia (2)

Moderne Skulptur in Resistencia. Foto: Pertile / Wikipedia & Wikimedia Commons / CC-BY-SA 2.5

  • Resistencia. Die moderne Stadt hat ein lebendiges Zentrum mit großstädtischem Ambiente, aber nur wenigen Altbauten. Sehenswert macht sie besonders ihr Kulturangebot. Bekannt sind das Avantgarde-Kulturzentrum Fogón de los Arrieros und die vielen Statuen und Skulpturen in allen Stilen, welche Plazas und Boulevards zieren. Besuchenswert ist auch das Naturwissenschaftliche Museum im Französischen Bahnhof, das Anthropologiemuseum mit Funden aus der alten Festung Concepción del Bemejo (s.u.), das Kunstmuseum René Brusan und das Toba-Viertel im Nordwesten mit einer traditionsreichen Kunsthandwerkergenossenschaft.
  • Isla del Cerrito (auch Isla del Sol). Die Insel liegt nahe der Mündung des Paraguay in den Paraná und war zunächst im 19. Jahrhundert eine Krankenhauskolonie und kurzzeitig Hauptstadt des Nationalterritoriums Chaco. Heute ist es eines der beliebtesten Ausflugsziele mit intakter Natur und hervorragenden Möglichkeiten zum Angeln, Wandern und Reiten. Neben den alten Krankenhausbauten kann ein Museum besichtigt werden, das über bewegte Vergangenheit der Insel aufklärt, die zeitweise von Brasilien besetzt war. Auch Baden ist möglich.
  • Nationalpark Chaco. Der Park liegt am kleinen Fluss Río Negro etwa 100 Kilometer nordwestlich von Resistencia. Geschützt wird eine vielfältige Landschaft mit üppigen Galeriewäldern, Savannenlandschaften mit Palmenhainen und Sumpfgebieten mit kleinen Seen. Zwei Wanderwege führen durch das Reservat.
  • Villa Río Bermejito. Der kleine Ort im Nordwesten der Provinz ist das wichtigste touristische Zentrum im Landesinneren. Er liegt an einem Seitenarm des Río Bermejo. Am Ufer kann gebadet und Wassersport getrieben werden.
  • Presidencia Roque Sáenz Peña. Die zweitgrößte Stadt des Chaco zählt 100.000 Einwohner und ist bekannt für ihre Thermalquellen, die sie zu einem bedeutenden Kurort machen. Das Stadtzentrum wirkt jedoch chaotisch und wenig sehenswert. Ein Zoo und ein Themenpark sorgen für Abwechslung bei einem Besuch mit Kindern.

Geheimtipps in der Provinz Chaco

Campo del Cielo meteorite, Adolfo fragment, 3

Meteoritenfragment auf dem Campo del Cielo. Foto: Scheihing Edgardo / Wikimedia Commons / CC-BY 2.0

  • Reservat Pampa del Indio. Das Reservat liegt nördlich von Presidencia Roque Sáenz Peña. Die Wälder sind üppiger und undurchdringlicher als im Nationapark Chaco, dafür gibt es weniger Savannen- und Feuchtlandschaft.
  • Colonia Benítez. Die nördlich von Resistencia gelegene Ortschaft liegt am Ufer des Río Tragadero mit seiner üppig grünen Auenlandschaft. Teile der Umgebung stehen unter Naturschutz und können auf Pfaden erwandert werden.
  • El Sauzalito. Gelegen im extremen Nordwesten, ist die Kleinstadt eines der Zentren der Wichí-Kultur. Der Ort liegt am Rand der üppigen Galeriewälder am Río Bermejo an der Grenze zur Provinz Formosa.
  • Villa Ángela und Campo del Cielo. Das im Süden gelegene Villa Ángela ist die drittgrößte Stadt der Provinz. Mit ihrem schönen Rathaus und den vielen Reihenhäusern aus der klassischen Moderne, beispielsweise in der Straße Alvear, ist sie vielleicht die schönste der landwirtschaftlich geprägten Mittelstädte des Chaco. Westlich der Stadt auf dem Campo del Cielo können Fragmente eines Meteoriten besichtigt werden, der hier etwa 600 bis 1000 v.Chr. niederging und vermutlich 25 Tonnen wog.
  • Nationalpark El Impenetrable. Das Reservat liegt östlich von Nueva Pompeya am Río Bermejo und schützt den Galeriewald am Fluss. Es wurde erst 2014 gegründet, die Infrastruktur befindet sich noch im Aufbau. Auch in der Umgebung hat sich noch viel Chaco-Wald erhalten, die Abholzung hielt sich hier bisher in Grenzen.
  • Ruinen von Concepción del Bermejo. Im Norden der Provinz, nördlich des Reservats Pampa del Indio, wurde hier 1585 eine Festung gegründet. Heute ist nur sehr wenig erhalten, doch die Grundanlage kann besichtigt werden, einige Fundstücke finden sich in Resistencia (siehe oben).

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