Sie sind hier

Die Provinz Chubut - Porträt & Reiseführer

Die Provinz Chubut ist vielleicht die typischste der patagonischen Provinzen Argentiniens. Landschaftlich bietet sie die klassischen drei Landschaftstypen Patagoniens: Die hier besonders vielgestaltige Küste, die raue, trockene und von Canyons durchzogene Meseta und die waldreiche Andenregion mit vielen hübschen Seen. Auf einer Reise durch die Provinz findet der Besucher in allen drei Regionen zahlreiche sehenswerte Reiseziele.

Wirtschaftlich ist Chubut eine der reichsten Provinzen des Landes. Neben der im Süden vorherrschenden Erdölförderung gibt es Landwirtschaft und Obstanbau im Tal des Río Chubut sowie einen großen Tourismussektor. Im Westen der Provinz sind auch einige Bergbauunternehmen aktiv.


Boomtowns und wunderbare Tierwelt: die Atlantikküste der Provinz Chubut

Penguins and Guanaco

Guanako und Pinguine in Punta Tombo. Foto: Furlin / Flickr / CC-BY 2.0


Die Atlantikküste von Chubut ist vielfältig und kontrastreich. Während im Norden die Halbinsel Valdés den Endpunkt des Golfs San Matías darstellt, ist besonders der Zentralbereich der Küste zerklüftet und mit vielen Inselchen und Buchten aufgelockert. Hier befinden sich Südamerikas bekannteste Pinguinkolonien: am Kap Dos Bahías und etwas weiter nördlich in Punta Tombo. Im Nordosten zieht die Halbinsel Valdés Tierfreunde an: Dort befinden sich bedeutende Kolonien von Walen, Seelöwen und anderen Robbenarten. Die Südküste an der riesigen Bucht Golf San Jorge, die bis in die Nachbarprovinz Santa Cruz reicht, ist mit seinen Küstenbergen, relativ warmen Wassertemperaturen und interessanten Steilküsten ein beliebtes Ziel von Badefreunden, aber ohne Massentourismus.

An der Küste und im Vorland befinden sich auch die bei weitem größten Städte der Provinz. Der Norden der Region wurde von Einwanderern aus Wales geprägt, deren Traditionen gerade in kleineren Orten wie Gaiman weiter gepflegt werden. Puerto Madryn am Golfo Nuevo im Norden hat 85.000 Einwohner und ist mit seinen weiten Sandstränden einmal ein beliebter Badeort mit besonders guten Tauchmöglichkeiten, andererseits aber auch eine wichtige Hafen- und Industriestadt mit dem größten Aluminiumwerk des Landes. Nur wenig südlich davon liegt nahe der Mündung des für die Provinz namensgebenden Flusses Río Chubut die Doppelstadt Trelew - Rawson. Obwohl Trelew mit etwas über 100.000 Einwohnern deutlich größer ist als Rawson mit knapp 30.000 und beide Städte im selben Distrikt liegen, ist Rawson die Provinzhauptstadt geblieben. Die Wirtschaft in dieser Zone ist stark von Landwirtschaft und Agro-Industrie geprägt, da das Tal des Río Chubut bewässert wird.

Ganz im Süden der Provinz liegt der zweite große Reichtum der Provinz Chubut: eines der wichtigsten Erdölförderungsgebiete Argentiniens. Hier liegt die größte Stadt der patagonischen Küste: Comodoro Rivadavia, eine moderne, erst 1901 gegründete Stadt, die ihren Aufstieg zu heute fast 200.000 Einwohnern dem "schwarzen Gold" verdankt, dessen Förderung und Verarbeitung einen großen Teil der Wirtschaft der Stadt ausmacht. Konkurrenz macht in neuerer Zeit die Windenergie, welcher die stetige und meist aus Südwesten wehende Brise zugute kommt. So kann man zwischen den Erdölpumpen immer mehr Windkraftwerke beobachten. Direkt südlich von Comodoro Rivadavia liegt Argentiniens südlichster voll ausgebauter Badeort Rada Tilly - besonders Chilenen reisen gerne in den sonnigen Ort in einer der schönsten Buchten des Landes.


Die Anden: Tiefgrüne Wälder und blaue Seen

Lago Puelo . Chubut

Harmonie zwischen Grün und Blau: der Lago Puelo. Foto: Alejandra Belén Melis / CC-BY-SA 4.0


Die patagonische Andenwelt kann man auf einer Reise in den Westen der Provinz Chubut bestaunen. Die Orte sind hier nicht ganz so touristisch überlaufen wie in Rio Negro und Neuquén, aber nicht weniger idyllisch. Die größte Stadt dieser Region heißt Esquel, liegt im Zentrum des Andenlandes von Chubut und hat etwas über 30.000 Einwohner. Es ist der Ausgangspunkt zum Nationalpark Los Alerces mit seinen großen Kontrasten: Mal kann man durch üppige Regenwälder wandern, mal sind die Berge fast wüstenhaft und braun. Ein weiterer wichtiger Ort der Region ist das hübsch in einem grünen Tal gelegene Trevelin. Außerdem befindet sich bei Esquel mit La Hoya eines der beliebtesten Skigebiete Patagoniens.

Im Norden befindet sich mit Lago Puelo ein weiterer Nationalpark, der das Gebiet rund um einen der schönsten Seen Patagoniens schützt. Diese ebenfalls äußerst reizvolle Region mit Orten wie Epuyén, Lago Puelo und El Maitén ist eng mit der Stadt El Bolsón verbunden, die jedoch schon in der Provinz Río Negro liegt und als Mekka für Alternativreisende gilt.

Der zentrale und südliche Westen der Provinz ist Naturfreunden vorbehalten: Hier finden sich rund um abgelegene Orte wie Alto Río Sengüer paradiesische Landschaften wie etwa am Lago Fontana, die erst in Ansätzen touristisch erschlossen wurden. Eine ganze Armada einsamer Seen, einige von ihnen größer als der Bodensee, bietet Wassersportlern traumhafte Möglichkeiten, in den kleineren Seen kann im Sommer auch gebadet werden.


Die Meseta: Einsamkeit pur

Los Altares, Chubut, Argentina

Los Altares: Felsformationen am Río Chubut. Foto: Lisandro Moises / Flickr / CC-BY


Die einsamste Gegend Chubuts ist die Meseta, die über 80 Prozent des Provinzterritoriums ausmacht. Das Schichtstufenland besteht aus steppenhaften Hochebenen und dazwischen liegenden Tälern. Wirtschaftlich dominiert fast überall die Schafzucht. Als Reiseziel wird diese Region trotz ihrer stellenweise großen Schönheit gerade erst entdeckt und ist noch weit vom Massentourismus entfernt.

Der größte Einschnitt in die Steppenlandschaft ist das Tal des Río Chubut, das die ganze Provinz von West nach Ost durchzieht und sehr vielgestaltig ist - man findet von grünen Auenlandschaften über raue Steppengebiete mit vielfarbigen Felsformationen bis hin zu den von Bewässerung geprägten Landwirtschaftsgebieten im Osten und in einigen kleinen Oasen. Im zentralen Bereich des Tals findet sich die bekannte Felsformation Los Altares.

Eine weitere sehenswerte Region ist die Seenlandschaft rund um Sarmiento. Dort finden sich inmitten einer Oase mit interessanter Landschaft auch ein versteinerter Wald.


Die beliebtesten Reiseziele der Provinz Chubut

Puerto Madryn - enero 2015 (274)

Windsurfer vor dem Strand von Puerto Madryn. Foto: Gastón Cuello / CC-BY-SA 4.0

  • Halbinsel Valdés. Die markanteste Halbinsel Argentiniens ist heute wegen ihrer intakten Küstentierwelt Naturreservat. Seelöwen, Pinguine und Wale lassen sich beobachten. Der Ort Puerto Pirámides bietet gute Unterkunftsmöglichkeiten, Whale-Watching und einen schönen Badestrand.
  • Puerto Madryn. Die Hafenstadt ist gleichzeitig Badeort und Ausgangspunkt für die Reise zur Halbinsel Valdés. Sie ist heute ein sehr beliebtes Fremdenverkehrszentrum mit hervorragender und international ausgerichteter Infrastruktur. Der Strand der Stadt ist feinsandig und hübsch, wenn auch nicht weltbewegend - auch in der Umgebung gibt es zahlreiche idyllische Buchten.
  • Esquel, Trevelin und Nationalpark Los Alerces. Die Stadt Esquel ist das Zentrum der touristisch höchst reizvollen Andenregion im Westen der Provinz mit Seen, schneebedeckten Bergen und einem großen Skigebiet. Im wenige Kilometer südwestlich gelegenen Trevelin gibt es neben toller Landschaften einige Baudenkmäler von Kolonisten aus Wales zu bestaunen.
  • Lago Puelo. Der wunderschöne, von grünen bewaldeten Bergen eingerahmte See ist ein beliebtes Reiseziel im Nordwesten Chubuts. Besonders für Angler und Wassersportfreunde ist er eines der Highlights Patagoniens.
  • Comodoro Rivadavia und Rada Tilly. Die größte Stadt von Chubut ist eine schnell wachsende, moderne Regionalmetropole. Eingebettet in bizarre Küstenhügel kann sie mit einer interessanten Kulturszene und dem berühmten Petroleum-Museum aufwarten, das die Quelle des Reichtums der Region zeigt. In Rada Tilly ist der wohl schönste Strand Patagoniens zu finden - das Wasser ist zwar etwas frisch, aber noch voll badetauglich.
  • Punta Tombo. Die kleine Halbinsel südöstlich von Trelew ist die größte Pinguinkolonie der argentinischen Küste und ist mit dem eigenen Auto bzw. Mietwagen oder im Rahmen einer geführten Tour von Trelew oder Puerto Madryn aus zugänglich. Besonders in den Sommerferien kann es jedoch recht voll werden - dann bietet sich Camarones als Ausweichort an.


Geheimtipps in der Provinz Chubut

Una casa de té en Gaiman

Fast wie in Wales: Teehaus in Gaiman. Foto: Jorge Gobbi / Flickr / CC-BY 2.0

  • Camarones und Cabo Dos Bahías. Die wohl vielgestaltigste Küstenregion Argentiniens liegt rund um dieses winzige Städtchen im fast unbewohnten zentralen Bereich der Atlantikküste der Provinz. Eine Seelöwen- und Pinguinkolonie am Kap Dos Bahías, weite Badestrände sowie eine reizvolle felsige Landschaft mit vielen Inseln und Halbinseln machen die Region im Sommer zum echten Geheimtipp.
  • Tal des Río Chubut. Der längste Fluss der Provinz windet sich von Nordwesten nach Südosten und durchfließt dabei verschiedene Landschaften und einen großen Stausee. Eine Reise entlang des Flusses ist bis heute ein kleines Abenteuer. Nur mit dem eigenen Auto oder Mietwagen sind die spektakulärsten Abschnitte im Westen erreichbar, wo es vielfarbige Felsformationen wie das "Tal der Altäre" zu bestaunen gibt.
  • Trelew und Gaiman. Die größte Stadt im Nordosten der Provinz liegt inmitten eines fruchtbaren Landwirtschaftsgebiets und hat eine interessante Kulturszene mit walisischen Einflüssen. Nur wenige Kilometer westlich liegt das als "walisisches Modelldorf" bekannte Gaiman mit vielen traditionellen Häusern und Tearooms.
  • Rawson und Playa Unión. Die kleinste Provinzhauptstadt Argentiniens liegt an der Mündung des Chubut in den Atlantik und bietet teils reizvolle moderne Gebäude, einen romantischen Fischerhafen - und zwei der schönsten Strände Patagoniens: das beliebte Playa Unión und das aufstrebende Playa Magagna.
  • Lago Fontana und Lago La Plata. Die beiden einsamen Seen im Südwesten Chubuts sind ebenso reizvoll wie ihre bekannteren nördlicheren Pendants und neben ihren exzellenten Angelmöglichkeiten für die dort lebende, seltene Hirschart Huemul bekannt. Ein Nationalpark befindet sich in der Planungsphase.
  • Sarmiento. Mit einem versteinerten Wald, den zwei riesigen Seen Musters und Colhué Huapi, einem Dinosaurier-Park und einem bizarren natürlichen Tunnel ist die Oase im Süden der Provinz eines der beliebtesten Reiseziele und gleichzeitig die größte Stadt der zentralen Meseta-Region.

Theme by Danetsoft and Danang Probo Sayekti inspired by Maksimer