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Die Provinz Corrientes - Porträt & Reiseführer

Die Provinz Corrientes liegt im Nordosten Argentiniens zwischen den beiden Flüssen Paraná und Uruguay und ist damit Teil Mesopotamiens, des Zwischenstromlandes. Bis in die späten 1960er Jahre war die Provinz wie ihre Nachbarn vom Rest Argentiniens weitgehend isoliert, da keine Brücke bestand, die den Paraná überwunden hätte. So konnte sich im dem von vielen Einwanderern geprägten Corrientes ein Eigenleben entwickeln: Die Provinz hat eine eigenständige Volkskunst und Kultur mit eigenen Tänzen wie dem osteuropäisch beeinflussten Chamamé, auch „polka correntina“ genannt, und vor allem dem Karnevalsbrauch, der über die Grenzen des Landes hin bekannt ist.

Landschaftlich besteht Corrientes aus einer nur im Osten und Süden von niedrigen Hügeln unterbrochenen Ebene, deren Zentrum die Sümpfe von Iberá bilden. Rund um die Sümpfe werden große Flächen landwirtschatlich genutzt, im Nordosten besonders für den Yerba-Mate-Anbau. Der Name Corrientes erinnert an die sieben Halbinseln am Río Paraná, an denen sich starke Strömungen (span. corrientes) befinden. Die Städte der Provinz liegen vornehmlich an den Flüssen und im Süden. Geprägt werden sie von der Gründerzeitarchitektur, die sich hier besser erhalten hat als in den meisten anderen Regionen Argentiniens.

Corrientes und der Westen: Idylle am Río Paraná

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Rund um den Regierungspalast von Corrientes. Foto: Horacioborzatto / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0

Der Westen und Norden von Corrientes wird vom Río Paraná geprägt. Er ist der zweitlängste Fluss Südamerikas nach dem Amazonas und einem der beeindruckendsten Ströme der Erde. Eine Feuchtlandschaft mit vielen Inseln beherrscht die tiefgelegenen Gebiete am Fluss, und zahlreiche Nebenflüsse entwässern das zentrale Feuchtland. An einigen Stellen wie in Empedrado hat die Erosion kuriose Erdformationen am Ufer der Flüsse geschaffen.

Die Hauptstadt Corrientes liegt auf einer Halbinsel am Paraná, gegenüber von Resistencia im Chaco. Sie hat 350.000 Einwohner und ist damit die drittgrößte Stadt Nordargentiniens und die größte Mesopotamiens. Corrientes besitzt eine der schönsten Altstädte Argentiniens, und jede ihrer Plazas ist Zentrum eines Kiezes mit eigenem Charakter. So finden sich im urigen Gründerzeitviertel rund um die Plaza 25 de Mayo sehenswerte Prachtbauten und kaum Bausünden, an der Plaza Cabral etwas abseits dagegen liegt das moderne Einkaufszentrum. Die Stadt besitzt viele Kirchen in verschiedenen Baustilen und eine schöne Uferpromenade, an der auch gebadet werden kann. Bekannt ist sie für ihren farbenfrohen Karneval und eine aufstrebende Kulturszene, die sich unter anderem im prächtigen Teatro Vera und im alternativen Hausboot-Kulturzentrum Las Corrientes austobt.

Die Gegend wurde schon im 16. Jahrhundert von Europäern besiedelt, und bis heute gibt es Zeugnisse aus der Epoche wie die kolonialen Kirchen in Santa Lucía und San Roque. Neben Corrientes sind mehrere weitere Stadtgründungen am Paraná zu erwähnen, darunter die zweitgrößte Stadt Goya, das hübsche Esquina und das geschäftige Bella Vista. Hinter der Mündung des Paraguay in den Paraná bei Paso de la Patria wird die Besiedlung dünner, dort sind nur noch Kleinstädte wie der Wallfahrtsort Itatí zu finden.

Die Esteros del Iberá: Schwimmende Inseln und intakte Tierwelt

Flying Over Esteros del Iberá The kingdom of water, North-eastern Argentina

Die Esteros del Iberá von oben. Foto: Evelyn Proimos / Wikimedia Commons / CC-BY 2.0

Der zentrale Teil der Provinz wird von der Feuchtlandschaft der Esteros del Iberá geprägt. Das Gebiet ist nur dünn besiedelt und hat daher bis heute weitgehend seine Flora und Fauna bewahrt. So wohnen Krokodile und Wasserschweine in den Seen und Flüssen, auch die inzwischen sehr seltene Anakonda-Schlange ist hier heimisch. Die Schilfmatten verbinden sich mit angeschwemmter Erde zuweilen zu schwimmenden Inseln.

Die Iberá-Sümpfe sind neben der Hauptstadt das zweitwichtigste touristische Highlight der Provinz. Touristische Infrastruktur besteht nur an zwei Orten: Einmal ist dies der kleine Ort Carlos Pellegrini im Herz der Sumpflandschaft, gelegen an der Laguna Iberá, dem größten See der Region. Zum anderen ist im Norden der Zugang über den Nationalpark Mburucuyá möglich, der sich im Übergangsgebiet der Sümpfe zur Chaco-Savanne befindet und daher interessante Kontraste bietet.

Als Versorgungs- und Dienstleistungszentrum der Region fungiert Mercedes. Die 35.000-Einwohner-Stadt liegt etwa 30 Kilometer südlich des Sumpflandes bereits in einem reichen Agrargebiet und ist dank ihrer teils prächtigen Gründerzeitarchitektur ein angenehmer Ort zum Verweilen.

Der Osten: Grenzland am Río Uruguay

Cima de cerro

Typische Landschaft im Nordosten von Corrientes. Foto: Jjbrussain / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0

Der Osten von Corrientes ist dank seiner Lage nahe Brasilien und Uruguay für den Handel Argentiniens von großer Bedeutung. Dies merkt man besonders in Paso de los Libres, der größten Stadt der Region. Gelegen direkt im Dreiländereck, besitzt sie das vielleicht lebendigste Einkaufszentrum der Provinz.

Die Städte befinden sich fast alle direkt am Río Uruguay, der fast ebenso beeindruckend breit wie der Paraná durch die Lande strömt. Er unterscheidet sich von seinem Bruder im Westen durch sein klares Wasser und dadurch, dass er wegen zahlreicher Riffe und Felsen nur von kleinen Schiffen befahren werden kann. Wohl auch deshalb wurde die Region später besiedelt als der Westen. Das Ufer ist gut zugänglich, da es hoch liegt und nur vereinzelt Feuchtlandschaften vorzufinden sind. Viele Orte bieten gute Bademöglichkeiten.

Ab der Stadt Santo Tomé im Nordosten ändert sich die Landschaft. Die Vegetation geht von der Grassteppe in Feuchtwälder über, und die Topographie wird hügeliger, hier kündigt sich schon das Bergland der nahen Provinz Misiones an.

Die wichtigsten Reiseziele der Provinz Corrientes

Basílica de Itati

Monumental: Die Basilika von Itatí. Foto: Carlos Bagliani / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0

  • Corrientes. Die Altstadt erstreckt sich rund um die Plaza 25 de Mayo. Dort steht das Centro Cívico, ein Ensemble von öffentlichen Bauten aus der Gründerzeit. Sehenswert sind weiterhin das Kloster San Francisco mit einer Kapelle aus der Kolonialzeit, die kleine Iglesia de la Merced und die interessante neoromanische Kirche Cruz de los Milagros etwas südlich des Zentrums. Die Museen geben Aufschluss über die regionale Kunst, Geschichte, Archäologie sowie Flora und Fauna.
  • Esteros del Iberá. Das Sumpfgebiet bedeckt fast den gesamten Zentralbereich der Provinz und gehört zu den bedeutendsten Südamerikas. In der dünn besiedelten Region hat sich noch eine ursprüngliche Tierwelt mit Krokodilen, Jaguaren und Wasserschweinen bewahrt. Bester Ausgangspunkt ist der kleine Ort Carlos Pellegrini an der Laguna Iberá, von dem Bootstouren durch die Feuchtlandschaft angeboten werden.
  • Damm und Stausee Yacyretá-Apipé. Das größte Wasserkraftwerk Argentiniens mit bis zu 4 Gigawatt Leistung wurde 1998 fertiggestellt, besitzt mit 66 km den zweitlängsten Staudamm der Erde und ist eines der leistungsstärksten Südamerikas. Es liegt im extremen Nordwesten der Provinz und staut den Paraná an der Grenze zu Paraguay. Umittelbar östlich des Damms liegt auch mit knapp 33 km die breiteste Stelle.
  • Goya. Die zweitgrößte Stadt der Provinz hat einen gut erhaltenen Altstadtkern, die sich zwischen der Plaza Mitre und dem Flussufer an der Plaza Italia erstreckt. Bemerkenswerte Bauten sind die Kathedrale im neobarocken Stil (1884) und die San-Roque-Kirche im neobyzantinischen Stil (1904). Die Umgebung bietet Möglichkeiten zum Baden und Wassersport, eine besonders schöne Ecke ist La Cascadita 10 km östlich des Stadtzentrums an einem Nebenfluss.
  • Nationalpark Mburucuyá. Das wenig bekannte Reservat liegt im Norden der zentralen Feuchtlandschaft, nordwestlich von Iberá und nahe der gleichnamigen Kleinstadt. Geprägt wird er von Palmenhainen und immerfeuchten Urwäldern.
  • Yapeyú. In diesem kleinen Ort im Osten der Provinz können die Ruinen des Geburtshauses von José de San Martín, des bekanntesten Unabhängikeitskämpfers Argentiniens, sowie eine Fundstätte einer Jesuitenreduktion besichtigt werden.
  • San Roque und Santa Lucía. Diese beiden kleinen Ortschaften im Westen von Corrientes, gelegen etwas nördlich von Goya, beherbergen die ältesten Kirchen der Provinz, beide aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert.
  • Itatí. Der Wallfahrtsort im Norden der Provinz beherbergt eine der monumentalsten Kirchen Nordargentiniens mit orientalischen Einflüssen. Teile des Ortskerns stehen als historisches Dorf unter Denkmalschutz, sind aber teilweise etwas heruntergekommen.

Geheimtipps in der Provinz Corrientes

Esquina (Corrientes)

Das Ufer bei Esquina. Foto: Patricio.lorente / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0

  • Esquina. Ein hübsches Städtchen am Río Paraná, schön gelegen an der Flussmündung des Río Corriente (sic). Die Stadt hat einen kleinen Innenstadtkern mit vielen Gründerzeithäusern, der verspielten Kirche Santa Rita de Casia und einem schönen Jugendstilrathaus. Nur 500 Meter von der zentralen Plaza entfernt gibt es bereits sandige Badestrände.
  • Empedrado. Die Kleinstadt südlich der Provinzhauptstadt ist bekannt für das Ufer, das zu den schönsten Badestellen am Paraná überhaupt gehört. Dort hat die Erosion kuriose Formationen aus trockener roter Erde geschaffen. Fast im ganzen Jahr kann gebadet werden. Auch die Innenstadt ist mit einigen Altbauten aus Kolonial- und Gründerzeit einen Blick wert.
  • Mercedes. Im südlichen Zentrum von Corrientes gelegen, bietet die Stadt die besten Versorgungs- und Unterkunftsmöglichkeiten in der Großregion der Iberá-Sümpfe. Die Innenstadt mit vielen bunt bemalten Gründerzeithäusern, einem hübschen Rathaus und dem italienisch beeinflussten Cervantes-Theater gehört zu den reizvolleren der nordargentinischen Mittelstädte. Mercedes beherbergt weiterhin das größte naturwissenschaftliche Museum Mesopotamiens.
  • Monte Caseros. Die 25.000-Einwohner-Stadt im Südosten besitzt schöne Strände am Río Uruguay, eine von hohen Bäumen geprägte Uferpromenade und ein kleines, von Gründerzeitarchitektur geprägtes Zentrum.
  • Paso de los Libres. Die drittgrößte Stadt der Provinz liegt am Río Uruguay und ist eine geschäftige Einkaufsstadt und liegt nahe des wichtigsten Grenzübergangs nach Brasilien. Die durchaus reizvolle Fin-de-siècle-Bausubstanz im Zentrum, die beispielsweise im Bau des Banco Nación von 1892 zum Ausdruck kommt, geht leider etwas im Schilderwald der Geschäfte unter. Paso de los Libres gehört zu den Karnevalmetropolen von Corrientes und bietet auch ein passables Nachtleben.
  • Curuzú Cuatiá. Bekannt ist die 35.000-Einwohner-Stadt im Süden von Corrientes für seinen Karneval. Der Innenstadtkern ist mit vielen der typischen Gründerzeit-Reihenhäuser aus der Zeit um 1900 gut erhalten, auch wenn die ganz großen Höhepunkte fehlen. Sehenswert ist das Kulturhaus mit Sammlungen aus Plastik und Archäologie.

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