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Die Provinz Entre Ríos - Porträt & Reiseführer

Wie der Name schon erahnen lässt, liegt die Provinz Entre Ríos zwischen den beiden mächtigen Flüssen Uruguay und Paraná. Ein leicht welliges Grasland und an den Ufern üppig grüne, immergrüne Wälder und Palmenhaine prägen die Landschaft der Region, heute eines der wichtigsten Reiseziele Argentiniens. Denn für großstadtmüde "Porteños" stellt sie den ersten Vorposten subtropischer Exotik dar. Auch der Karneval, der wochenlang ausgelassen gefeiert wird, erinnert bereits an das große Nachbarland Brasilien.


Vom rückständigen Randgebiet zur touristischen Hochburg

Uruguay River at El Palmar, Entre Rios, Argentina, 1 Jan. 2011 - Flickr - PhillipC

Badestrand am Río Uruguay, Nationalpark El Palmar. Foto: Phillip Capper / Flickr / CC-BY 2.0


Obwohl sie geographisch zum Zwischenstromland Mesopotamien gehört und viele kulturelle Ähnlichkeiten mit den Nachbarn Corrientes und Misiones besitzt, versucht die Provinz seit der Demokratisierung 1983, verstärkt mit den reichen Zentralprovinzen Santa Fe und Córdoba in der "Región Centro" zusammenzuarbeiten. Trotz günstiger Voraussetzungen für Schifffahrt und Handel nahm Entre Rios nämlich lange eine Randlage ein, die ihr Wachstum hemmte. Erst 1975 wurde eine Verbindung zum „Festland“, nämlich die Brücke Zárate - Brazo Largo, gebaut. Einige Jahre später wurde die Provinzhauptstadt Paraná mit dem gegenüberliegenden Santa Fe verbunden: aus rechtlichen Gründen nicht über eine Brücke, sondern über einen Tunnel unter dem Río Paraná. Eine dritte Brücke verbindet seit 2003 endlich auch die Millionenstadt Rosario mit Entre Ríos.

Die Provinz Entre Ríos ist bis auf die Hügelketten der „Cuchillas“ bei Victoria, die aber eine Höhe von 100 m nur sehr vereinzelt überschreiten, flach und ein feuchtes und fruchtbares Agrargebiet, in dem alle Arten von Gemüse, Obst und Getreide angebaut werden und auch Weiden anzutreffen sind. Die Städte der Provinz sind meist agroindustriell ausgerichtet, hier sind die Hauptwirtschaftszweige die Fleischkonservierung und Getreideverarbeitung. Eine diversifizierte Industrie ist nur in der Hauptstadt Paraná (250.000 Einwohner) im Westen und in Concordia (150.000 Einwohner) im Nordosten der Provinz anzutreffen.

Bei den Naturattraktionen führendes Highlight ist der Nationalpark El Palmar bei Colón. Dieses Reservat schützt den größten der Palmenwälder der Provinz und im dichten, subtropischen Küstenwald gelegene Ruinen alter Fabriken. Er bietet auch wunderschöne Badestrände - ein besonders unter Bewohnern von Buenos Aires als Reiseziel geschätztes Naturparadies.


Eine Kulturlandschaft mit Agrarkolonien und entspannten Großstädten

Carroza de Gualeguaycho, 2010

Farbenprächtig: Wagen auf dem Karnevalsumzug von Gualeguaychú. Foto: Belgrano / Public Domain


Kulturell wurde Entre Ríos wie ganz Nordostargentinien von agrarischen Einwandererkolonien aus verschiedenen Ländern Europas geprägt, die bis heute - inzwischen allerdings eher scherzhaft - Rivalitäten untereinander austragen. Auch Wolgadeutsche siedelten sich in zwei Schwerpunkten an: im Westen in der Gegend zwischen Paraná und Victoria sowie im Osten zwischen Gualeguaychú und Colón. Einige Dörfer haben deutsche Namen, etwa Spatzenkutter, ein winziger Vorort von Paraná. Besonders die Architektur der Kirchen ist an die mitteleuropäischen Stile Romanik und Gotik angelehnt.

Zwei Großstädte brechen mit dem Landstädtchen-Einerlei. Da ist einmal die Hauptstadt Paraná zu nennen, die schön an einer Kehre des gleichnamigen Flusses liegt. Mit einer parkähnlich gestalteten Küstenpromenade und vielen sehenswerten Altbauten wirkt sie trotz der vielen Hochhäuser vergleichsweise entspannt. Viele Museen und eine aufstrebendes Kulturleben machen die Stadt zu einem interessanten urbanen Erlebnis. Und gemeinsam mit dem gegenüber auf der anderen Flusseite liegenden Santa Fe bildet sie einen der fünf größten Ballungsräume Argentiniens - mit knapp einer Million Einwohnern. Die zweite Großstadt der Provinz ist das im Nordosten am Río Uruguay gelegene Concordia. Die Hauptattraktion ist der riesige Stausee Salto Grande mit vielen Badestränden und einem sehenswerten Elektrizitätswerk.

Der Karneval im Februar und März ist ebenfalls eine der Hauptattraktionen der Provinz. In Gualeguaychú im Südosten gibt es ein professionell organisiertes Karnevalstreiben, das sich wenig bescheiden „Karneval des Landes“ nennt. Beschaulicher ist der Karneval in den anderen Städtchen - überall gibt es zumindest kleine Umzüge -, doch besonders originell ist er in Victoria im Südwesten, wo er noch auf der Straße stattfindet statt in einem Stadion wie in der selbsternannten Karnevalshauptstadt Gualeguaychú.


Die beliebtesten Reiseziele der Provinz Entre Ríos

Vista aérea junto al arzobispado

Kathedrale und Zentrum von Paraná. Foto: Mariana Melhem / CC-BY-SA 3.0

  • Paraná. Die Provinzhauptstadt wurde 1853 zur ersten Hauptstadt des modernen Argentinien. Heute besticht sie mit vielen Parks am Fluss, dem Regierungspalast - einer der schönsten Monumentalbauwerke des Landes -, interessanten historischen Kirchenbauten, zahlreichen Museen und einem vielfältigen Kulturleben.
  • Nationalpark El Palmar. Die ursprüngliche subtropische Wald- und Auenlandschaft am Río Uruguay ist wohl nirgendwo so gut erhalten wie in diesem kleinen Nationalpark im zentralen Osten der Provinz. Eine gute Infrastruktur mit Campingplatz und Hotel sowie tolle Badestrände am Fluss machen ihn zu einem beliebten Reiseziel.
  • Concordia und Salto Grande. Die zweitgrößte Stadt von Entre Ríos besticht mit schönen, teils von Galeriewald geprägten Parks am Río Uruguay und einigen Altbauten im Zentrum. Der Stausee Salto Grande nördlich der Stadt ist der zweitgrößte Argentiniens.
  • Gualeguaychú. Die mit 85.000 Einwohnern größte Stadt im Süden der Provinz ist nicht nur die Karnevalshochburg Argentiniens: Sie bietet auch bedeutsame Altbauten, Museen und in der Umgebung einige herrliche Badestrände an den Nebenflüssen des Río Uruguay.
  • Concepción del Uruguay. Die geschäftige 75.000-Einwohner-Stadt am Río Uruguay ist als eine der ersten autonomen Ortschaften nach der Mairevolution 1810 geschichtlich bedeutsam. Mit den beiden Palästen Santa Cándida und San José besitzt sie zwei herausragende Exponate der Villenarchitektur des 19. Jahrhunderts.


Geheimtipps in der Provinz Entre Ríos

Entre Ríos - Victoria - Casco Histórico

Bunt und traditionell: Altstadt von Victoria. Foto: Leandro Kibisz / CC-BY-SA 3.0

  • Victoria. Die ehemals verschlafene Stadt im Südwesten von Entre Ríos erlebt seit der Eröffnung der Brücke nach Rosario einen Boom. Die Hügel in Stadt und Umgebung und einige prächtige Altbauten geben ihr ein eigenes Gepräge. Der Karneval und die Badestrände ziehen immer mehr Besucher an.
  • Villa Paranacito. Die kleine Einwandererkolonie liegt im Süden der Provinz am Río Uruguay und ist wegen ihrer Lage direkt in den Auenwäldern am Ufer einzigartig. Bootstouren durch das Delta sind von dem Städtchen aus hervorragend möglich.
  • Gualeguay. Wie Victoria ist Gualeguay eine der kleineren Karnevalshochburgen der Provinz. Die 30.000-Einwohner-Stadt ist im Rest des Jahres ein entspannter Ort mit einigen sehenswerten Kirchen.
  • Santa Elena. Diese Landstadt im Nordwesten beherbergt eines der interessantesten Industriedenkmäler Argentiniens: die gleichnamige Konservierungsfabrik, ab 1871 von einem englischen Unternehmen errichtet. Nach der Schließung 1993 ist seit 2005 ein Teil wieder in Betrieb, der Komplex kann besichtigt werden.
  • Villa Urquiza. Der Mitte des 19. Jahrhunderts gegründete Ort war die erste militärisch-agrarische Kolonie des Landes. Heute ein idyllischer, ruhiger Ferienort am Río Paraná mit feinsandigen Flusstränden und vorgelagerten Inseln.
  • Diamante, Crespo und Wolgadeutschen-Kolonien. Südlich von Paraná liegt das Hauptsiedlungsgebiet der Wolgadeutschen. In den Dörfern und Kleinstädten rund um Diamante wird bis heute teilweise noch Deutsch gesprochen. Zum Teil sind die Orte architektonisch interessant, ein besonderes Highlight ist die strahlend weiße neoromanische Kirche von Crespo.

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