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Die Provinz Formosa - Porträt & Reiseführer

Die Provinz Formosa liegt im äußersten Nordosten Argentiniens und grenzt im Norden und Osten an Paraguay. Sie ist auf ihrer gesamten Fläche von der Chaco-Ebene bedeckt, einer Savannen- und Waldlandschaft mit subtropischem bis tropischem Klima, in der es im Sommer bei hoher Luftfeuchtigkeit bis nahe 50 Grad heiß werden kann. Der Winter dagegen ist trocken und angenehm mild. Trotz der flachen Topographie ist die Landschaft keineswegs eintönig. So gibt es im Norden geradezu dunkle Urwälder, im ganzen Gebiet sind darüberhinaus Sumpfgebiete, Seen und schöne Flusstäler mit üppiger Vegetation und reicher Tierwelt anzutreffen.

Die waldreiche Natur ist in weiten Teilen der Provinz noch intakt, doch ist die Abholzung ein wachsendes Problem. Auch Formosa möchte nach Jahrzehnten der bitteren Armut schließlich vom Agrar-Boom profitieren. Verbreitete Korruption und Missmanagement behindern jedoch die Entwicklung der Provinz, in der mehr als die Hälfte der Einwohner auf irgendeine Weise staatliche Transferleistungen bezieht.

Formosa ist eine der Provinzen, in denen sich die Kultur der Ureinwohner am stärksten erhalten hat. Die Qom (Toba) und die Wichí (Mataco) sind die beiden verbreitetesten originären Völker, erstere vor allem im Osten, zweitere im Westen der Provinz. Sie verfügen über Organisationen, die für ihre Rechte eintreten, und in Formosa findet jedes Jahr im April ein internationales Treffen indigener Völker statt. Trotzdem sind sie von der Gleichberechtigung noch weit entfernt; im Gegenteil, Politiker benutzten bis in die jüngste Vergangenheit arme Wichí-Bauern mit trickreichen Methoden für Wahlmanipulationen.

Der Impenetrable: Dunkle Wälder und märchenhafte Sumpfgebiete

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Bañado La Estrella - ein üppig grünes Vogelparadies. Foto: Mbmatheu / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0

Im Westen ist der Dornbuschwald des Chaco auch heute noch größtenteils intakt und undurchdringlich, wie der Name Impenetrable für die Region schon erahnen lässt. Im Winterhalbjahr gibt es eine lange Trockenzeit, und es dominieren Arten, die längere Dürren mit Nachtfrösten und große Hitze aushalten. Besonders an den Flüssen verdichtet sich die Landschaft zu ausgewachsenen, landschaftlich reizvollen und durchaus dunklen Wäldern.

Abgesehen von fast unmerklichen Hügelketten ist die Landschaft flach. Die Hauptsiedlungsachse ist die Nationalstraße 81, die sich entlang einer Bahnstrecke bis in die Provinz Salta zieht. Nur zwei nennenswerte Städte, Ingeniero Juárez und Las Lomitas, sowie einige kleinere Ortschaften sind als Posten der Zivilisation vorzufinden. Im Norden gibt es einige kleine Dörfer, in denen noch die Wichí-Sprache verbreitet ist. Die meisten der Nachkommen der Ureinwohner arbeiten als Kleinbauern und Landarbeiter oder beziehen Sozialhilfe, Analphabetismus ist bis heute ein großes Problem.

Der Osten: Grenzland in den Randtropen

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Hafenpromenade von Formosa. Foto: Tencho / Wikimedia Commons / GFDL & CC-BY-SA

Am Río Paraguay bekommt die Landschaft einen anderen Charakter. Hier ist es das ganze Jahr über feucht. Der Trockenwald weicht einer Feuchtsavanne mit Graslandschaften und Sümpfen. Natur- und Tierfreunde kommen vor allem im Nationalpark Río Pilcomayo und der Umgebung des Río Bermejo auf ihre Kosten, wo Jaguare, Pumas und kleine Krokodile, die Yacarés, anzutreffen sind.

In dieser Region liegen auch die drei größten Städte. Die Provinzhauptstadt Formosa ballt fast die Hälfte der Einwohner. Sie ist eine weitläufige Stadt mit grünen Boulevards und einer schönen Uferpromenade, aber keiner wirklich großstädtischen Atmosphäre. Altbauten gibt es nur wenige, aber auch Hochhäuser sind recht selten anzutreffen. Die Hauptattraktionen sind vielleicht das Kunsthandwerkerhaus und die Stimmung am Fluss. Im Norden liegt die zweitgrößte Stadt Clorinda mit knapp 50.000 Einwohnern an der Grenze zu Paraguay, die vom Handel mit dem Nachbarland lebt.

Der Boden wird in einigen Gebieten intensiv bewirtschaftet. Dort sind seit dem späten 19. Jahrhundert agrikulturelle Kolonien entstanden, die von verschiedenen europäischen Einwanderergruppen dominiert werden. Aber auch indianische Kleinbauern leben noch in traditionellen Kollektiven im Inneren des Gebiets. Typisch für die Städte und Dörfer Formosas ist, dass nicht eine zentrale Plaza, sondern ein von Bäumen gesäumter Boulevard das Zentrum des Stadtlebens darstellt.

Die beliebtesten Reiseziele in Formosa

Costanera de El Colorado y Río Bermejo

Ufer des Río Bermejo bei El Colorado. Foto: Pertile / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 4.0

    • Formosa. Die Hauptstadt macht mit ihren Parks und Boulevards einen grünen Eindruck. Trotz der heute über 200.000 Einwohner wirkt das Zentrum selbst in den Einkaufsstraßen 25 de Mayo, España und Rivadavia fast kleinstädtisch-provinziell. Die Kathedrale Nuestra Señora del Carmen von 1899 hat neoklassizistische Anklänge und wirkt dennoch eher modern. Hübsch ist der alte Bahnhof nahe des Hafens, in der Nähe können im Kunsthandwerkerhaus (Casa de la Artesanía) Arbeiten im Stil der Ureinwohner bestaunt werden. Der Uferpark mit der Promenade bietet herrliche Blicke auf den Río Paraguay, und die vier Hektar große Plaza San Martín gehört zu den größten und schönsten Nordargentiniens. Abstecher sind möglich mit dem Boot nach Alberdi in Paraguay sowie ins Biosphärenreservat Laguna Oca an einem Flussarm.
    • Nationalpark Río Pilcomayo. Westlich von Clorinda liegt der einzige Nationalpark der Provinz. Er schützt die Feuchtlandschaft am Río Pilcomayo mit Palmenwäldern und reicher Tierwelt, die im Sommer regelmäßig überschwemmt wird und im Winter fast austrocknet. Ein Besuch ist im ganzen Winterhalbjahr empfehlenswert. In der Umgebung kann die alte Franziskanermission Tacaagle besichtigt werden.
    • Bañado La Estrella. Eine üppig grüne, fast märchenhaft schöne Landschaft versteckt sich mitten im Chaco-Buschland nördlich von Las Lomitas. Das Sumpfgebiet mit eingesprenkelten Seen ist umgeben von Palmenhainen. Die Szenerie wird von durch Kletterpflanzen bewachsene trockene Baumstämme geprägt und die Tierwelt ist reichhaltig.
    • Naturreservat Formosa. Das Reservat im Westen der Provinz schützt den Galeriewald am Río Bermejo, wo die ansonsten eher trockene Impenetrable-Landschaft sich überraschend in üppigem Grün zeigt. Es kann von Las Lomitas und Ingeniero Juárez erreicht werden, die Zufahrten sind jedoch bei Regen nur schlecht passierbar.
    • El Colorado. Knapp 15.000 Einwohner zählt die viertgrößte Stadt Formosas. Sie liegt schön am breiten Río Bermejo im Südosten der Provinz in einem produktiven Landwirtschaftsgebiet. Am Fluss ist Wassersport möglich, in der Umgebung gibt es zudem einige reizvolle Waldgebiete.
    • Herradura. Der Ort liegt etwa 40 Kilometer südlich von Formosa und ist einer der Punkte, an dem der Río Paraguay am besten zugänglich ist. Am majestätischen Strom liegt ein kleiner Badestrand, etwas südlich des Ortszentrums. Attraktiv ist der Fluss hier besonders für Angler, im Januar wird ein Fischfest gefeiert.
    • San Francisco de Laishi. Im Südosten der Provinz liegt dieses denkmalgeschützte Dorf mit uriger Atmosphäre, das auf eine Franziskanermission aus dem frühen 20. Jahrhundert zurückgeht. Rund um die Kirche wurden damals Wichí angesiedelt und christianisiert. Ein Teil der Mission wurde später in ein Kulturzentrum umgewandelt, ein Museum zeigt Ausstellungsstücke aus der Geschichte.

Geheimtipps in Formosa.

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Grenzgänger: Fußgängersteg zwischen Clorinda und Paraguay. Foto: Alakasam / Wikimedia Commons / GFDL & CC-BY-SA 3.0

  • Ingeniero Juárez und der Norden. Ingeniero Juárez ist mit knapp 13.000 Einwohnern die größte Stadt im Nordwesten der Provinz. Der Ort ist der Ausgangspunkt für Touren in die Impenetrable-Landschaft. Schöne Ausflüge gehen nach Norden in die Umgebung des kleinen Ortes General Mosconi, wo die Wälder sehr dicht werden und von den Armen des Río Pilcomayo durchzogen sind, sowie nach Süden an das Ufer des hier flachen und breiten Río Bermejo.
  • Laguna Yema und sein Stausee. Die Kleinstadt Laguna Yema ist einer der Orte, die an der Eisenbahnstrecke zwischen Formosa und Salta entstanden. Sie ist bekannt für Grillokale, die auf Ziegenfleisch aus der Region spezialisiert sind. Sehenswerter als der 4000-Einwohner-Ort ist der gleichnamige Stausee südlich des Städtchens, mitten im Wald gelegen, der mit seinen Wasserpflanzen ein subtropisches Flair versprüht und in dem hervorragend geangelt werden kann.
  • Clorinda. Die moderne Grenzstadt nach Paraguay interessiert weniger aufgrund klassischer Sehenswürdigkeiten als mit dem bunten Treiben in ihren Einkaufsstraßen, die von Import- und Exportgeschäften und einem Markt geprägt werden und die Provinzhauptstadt an Lebendigkeit noch übertreffen. Über einen Fußgängersteg ist tagsüber ein Kurzbesuch im paraguayischen Nachbarort Nanawa möglich. Die paraguayische Hauptstadt Asunción liegt nur 4 Kilometer östlich, sie kann entweder über eine Brücke oder eine Fähre vom nahen Hafen Puerto Pilcomayo aus erreicht werden.
  • Pirané. Westlich von Formosa gelegen, wirkt die Stadt mit ihren 20.000 Einwohnern sehr weitläufig und grün. Ein richtiges Zentrum sucht man vergebens. Rund um die Stadt erstreckt sich eine ungewöhnlich abwechslungsreiche Kulturlandschaft mit Feldern, Wäldern, Feuchtgebieten und kleinen versteckten Seen..
  • Las Lomitas. Nur sieben Meter hoch sind die Hügel, die der Stadt ihren Namen gaben. Las Lomitas gilt als wärmster Ort Argentiniens mit tropischem Klima und wird vom zentralen, von vielen Bäumen gesäumten Boulevard geprägt. Die Stadt ist ein hervorragender Ausgangspunkt für Touren zum Bañado La Estrella und zum Naturreservat Formosa.
  • Cañada del Surubí. Ein wunderschönes Flusstal mit dunklen Wäldern und üppiger Vegetation ganz im Norden der Provinz. Nur mit dem Auto von Ingeniero Juárez aus zu erreichen und am besten im Winter zu besuchen.

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