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Die Provinz Jujuy - Porträt & Reiseführer

Die Provinz Jujuy belegt die Nordwestecke Argentiniens. Sie ist bekannt für ihre traditionsreichen Kulturlandschaften und bietet auf kleinem Raum eine vielfältige Natur. Kulturell bildet Jujuy zusammen mit dem Westen von Salta und Tucumán eine eigenständige Region, die bis heute von der Kultur der Ureinwohner geprägt wird. Zwar wurden diese mittels des Encomienda-Systems bis ins 19. Jahrhundert hinein systematisch als billige Arbeitskräfte ausgebeutet, dies führte jedoch zu keinem kulturellen Genozid wie etwa in Zentralargentinien, so dass ihre Traditionen bis heute gepflegt werden. Die Einwanderung aus Europa blieb verhältnismäßig gering.

Der Pachamama-Kult ist eine typische Mischform aus christlichen und vorkolumbianischen Elementen. Pacha Mama ist die personifizierte Natur, die als Mutterfigur und Göttin angesehen wird, die über die Ernte und das allgemeine Glück bestimmt und somit eine Mischung der Marienfigur mit der für die Kultur des Andenraums typischen allgemeinen Vergötterung der Natur ist. Noch heute haben sich abgesehen von den Festlichkeiten wie dem Karneval einige Bräuche ins 21. Jahrhundert retten können. So gießt auch der jugendliche Jujeño vom Land oftmals nach dem Öffnen einer Wein- oder Bierflasche den ersten Schluck auf den Boden - er ist für Pacha Mama.

Angesichts fruchtbarer Landwirtschaftsgebiete, Erdöl und anderer Bodenschätze wurde Jujuy mit vielen Ressourcen gesegnet. Dennoch gehört die Provinz bis heute zu den ärmeren Argentiniens. Besonders die Puna-Region ist von Arbeitslosigkeit und Landflucht betroffen, viele Menschen suchen in der Region rund um die Provinzhauptstadt und anderen Großstädten Argentiniens ihr Glück.

Die Puna: Das Vordach Argentiniens

Vertical Layers of Rock near Tres Cruces in Jujuy Province in Argentina 1

Bizarr: Hügellandschaft bei Tres Cruces in der Puna. Foto: Mik Roseg / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0

Der gesamte Westen von Jujuy wird von der Puna bestimmt, einer 3500 bis 4200 m hoch gelegene Hochebene mit halbwüsten- bis steppenhafter Vegetation. Sie wird von Senken mit blendend weißen Salzseen und kleinen Canyons durchschnitten. Die Puna ist die Gegend Argentiniens, in der die Tages - und Nachttemperaturen den größten Unterschiede aufweisen. So kann es nach Morgentemperaturen nahe 0 Grad nachmittags sommerlich warm sein. Gesäumt wird die Hochebene von verschiedenen Andenkämmen mit teils bizarren Farbgebungen und Felsformen; der höchste Gipfel ist der Nevado de Chañi mit 5.896 Metern an der Grenze zu Salta.

Wegen der Trockenheit und der dünnen Luft ist die Region dünn besiedelt; weniger als zehn Prozent der Bevölkerung der Provinz leben hier auf etwa der Hälfte ihrer Fläche. Dennoch sind viele sehr alte Ortsgründungen zu finden, deren historische Architektur sich teils gut erhalten hat wie etwa in Yavi, Cochinoca, Casabindo oder Susques. Angesichts der Landflucht gibt es heute in der Puna Jujeña nur noch drei Städte mit mehr als 5.000 Einwohnern: die Grenzstadt La Quiaca im Norden, die dank des Handels mit Bolivien groß wurde, der Bergbauort El Aguilar, dessen beste Tage gezählt zu sein scheinen, und das Dienstleistungszentrum Abra Pampa im Zentralbereich.

Die Quebrada de Humahuaca: Viele Farben und uralte Traditionen

Cerro de los siete colores

Purmamarca und der Siebenfarbenberg. Foto: Augusto Sarita / Wikimedia Commons / GFDL & CC-BY-SA 3.0

Nach Osten hin schließt sich als zweite Großregion das Einzugsgebiet der Quebrada de Humahuaca an. Das Felsental gilt nicht ohne Grund als eine der touristischen Hauptattraktionen Argentiniens. Einmal ist die Schlucht von farblich sehr eindrucksvollen Felsengebirgen umgeben, die sie surrealistisch und fast wie ein Kunstwerk wirken lassen. Zweitens befinden sich in der Schlucht alte Kolonialstädtchen mit weitgehend originalen Zentren. Zum dritten ist die Region reichhaltig mit archäologischen Fundstätten gesegnet. Die bekanntesten sind der Pucará von Tilcara, eine rekonstruierte Siedlung der Omaguaca-Kultur, sowie Coctaca, die flächengrößte Ausgrabungsstätte Südamerikas.

Die Quebrada ist dicht besiedelt und wird bis heute von kleinbäuerlicher Landwirtschaft geprägt. Die beiden größten Städte sind Humahuaca mit knapp 12.000 und Tilcara mit etwa 7.000 Einwohnern. Daneben sind eine Reihe kleinerer Dörfer wie Tumbaya, Volcán, Maimará oder Uquía zu erwähnen, in denen sich ebenfalls Architektur des 18. und 19. Jahrhunderts findet.

Eine große Attraktion sind die farbenfrohen Feste, vor allem der Karneval im Februar, bei dem Besucher allerdings besonders in Humahuaca mit vollen Hotels rechnen müssen. Die Folklore-Musik und die Tänze der Region ähneln den Stilen des bolivianischen und peruanischen Hochlandes. Geprägt wird die Musik weniger von der Gitarre wie in anderen Regionen, sondern von präkolumbianischen Blasinstrumenten wie der Panflöte Sikus und der klagend klingenden Holzflöte Quena. Neben dem Karneval stechen das Festival Tantanakuy in Humahuaca und der Enero Tilcareño mit seinen zahlreichen Peña-Veranstaltungen, die von einem vorzugsweise jungen Publikum besucht werden, heraus.

Die Yungas: Das grüne Jujuy

Sendero El Pedemontano

Wanderweg im Nationalpark Calilegua. Foto: Tencho / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0

Der Südosten von Jujuy ist von den Yungas oder Nebelwäldern bedeckt, die sich an den Osthängen der Voranden entlangziehen und nahtlos in den subtropischen Tiefland-Regenwald übergehen. Das Tal des Río Grande de Jujuy schneidet diese Region in zwei Teile und ist das Hauptsiedlungsgebiet der Provinz. In Höhenlagen zwischen 800 und 1500 m wohnen hier 400.000 der 650.000 Einwohner der Provinz in der Hauptstadt San Salvador de Jujuy sowie mittleren Städten Monte Rico, El Carmen, Perico und Palpalá.

San Salvador de Jujuy besitzt wegen der Lage zwischen zwei Flüssen und der kulturellen Vielfalt einen eigenen Charakter, der in Argentinien seinesgleichen sucht. Das Zentrum, gelegen auf einem Hügel zwischen den Flüssen, wirkt beschaulich und bietet einige Bauten aus der Kolonialzeit, der größte Teil hat jedoch modernen Charakter. Viele Zugezogene aus dem Hochland und dem nahen Bolivien drücken der Stadt ihren Stempel auf, häufig findet man kulturelle Veranstaltungen mit Ureinwohner-Einfluss. Fast wie in Bolivien fühlt man sich im Viertel Gorriti östlich des alten Busbahnhofs: Das Quartier gewinnt zwar vielleicht keinen Schönheitspreis, doch ist es wegen der zahllosen kleinen urigen Kantinen und Bars einen Besuch wert.

Östlich von Jujuy schließt das subtropische Tiefland mit Zucker- und Tropenobstplantagen an. Dort finden sich die Städte Libertador General San Martín (auch Ledesma) und San Pedro, zwei wirtschaftlich wichtige agro-industrielle Zentren. Ein großer Teil des Regenwaldes ist in diesem Gebiet leider abgeholzt; fast die gesamte Talfläche wird landwirtschaftlich genutzt. Zur Ehrenrettung der Agro-Unternehmen kann man den Nationalpark Calilegua erwähnen, der auf von den Zuckerbaronen gespendeten Land entstand. Er ist der am leichtesten zugängliche der drei Regenwald-Reservate des Nordwestens.

Die wichtigsten Reiseziele der Provinz Jujuy

PlazaBelgrano

Plaza Belgrano in San Salvador de Jujuy. Foto: Gustso / Wikimedia Commons / GFDL & CC-BY-SA

  • Tilcara. Die alte Kleinstadt ist heute der wichtigste Ferienort der Provinz und dank des von Folkloreklängen untermalten Enero Tilcareño, eine Reihe von Peña-Veranstaltungen im Januar, ein wichtiges Sommerreiseziel bei jungen Rucksackreisenden. Tilcara bietet ein hübsches Zentrum mit Bauwerken aus dem 18. und 19. Jahrhundert und ein interessantes archäologisches Museum. Die Omaguaca-Festung Pucará auf einem Hügel ist sehenswert, bei seiner Rekonstruktion wurden aber aus heutiger Sicht Fehler gemacht, insbesondere beim Aufbau der Mauern.
  • San Salvador de Jujuy. Die hübsche Zweiflüssestadt ist auch als Tacita de Plata (etwa: Silbertässchen) bekannt. Sehenswerte Bauten sind die Kathedrale von 1765, die koloniale Santa-Bárbara-Kapelle, der neobarocke Regierungspalast, der Cabildo und der moderne, leider etwas heruntergekommene Justizpalast. Einen schönen Ausblick auf das Zentrum bietet das Mittelschichtviertel Ciudad de Nieva auf einem Hügel westlich der Innenstadt.
  • Humahuaca. Das knapp über 10.000 Einwohner zählende Städtchen geht auf eine Omaguaca-Gründung zurück. Die Altstadt mit ihren charakteristischen niedrigen weißen Häusern und den altmodischen Straßenlaternen gilt als eine der am besten erhaltenen Argentiniens. Humahuaca ist das Zentrum des Karnevals und Ausgangspunkt für Touren zur riesigen Ausgrabungsstätte Coctaca, ins kleine urige Uquía, Iruya in Salta und verschiedene farbenfrohe Nebentäler der Quebrada.
  • La Quiaca. Die Grenzstadt nach Bolivien hat einen hübschen alten Stadtkern, wirkt jedoch etwas wie ein Wohnvorort von Villazón, ihrem bolivianischen Gegenüber mit fast 40.000 Einwohnern. Dort ballt sich das Geschäfts- und Kulturleben der Doppelstadt, und das Treiben auf der Hauptstraße mit ihren zahlreichen kleinen Geschäften ist für sich allein sehenswert.
  • Nationalpark Calilegua. Der Nationalpark ist aufgrund der Tatsache, dass er von einer befestigten Straße durchquert wird, der am besten zugängliche der Naturreservate der Yungas-Urwälder. Mehrere Wanderwege zu kleinen Wasserfällen inmitten üppiger Vegetation und Campingmöglichkeiten sind vorhanden. Auch per Bus von der Stadt Ledesma aus (nach Valle Grande) sind die Wege auf halber Höhe zu erreichen.
  • Purmamarca. Der kleine Ort mit knapp 1000 Einwohnern liegt in einem Nebental der Quebrada de Humahuaca und ist wohl das bekannteste Fotomotiv der Provinz Jujuy. Eingerahmt vom spektakulären Siebenfarbenberg, mit seiner uralten Kirche (1648) und der altertümlichen Adobe-Architektur versprüht es für viele am reinsten das Flair der Region. Purmamarca besitzt nur relativ einfache Unterkünfte wie Hostels und kleine Hotels, ist aber als Ausgangspunkt für Wandertouren hervorragend geeignet.

Geheimtipps in der Provinz Jujuy

Capilla de Casabindo

Die "Puna-Kathedrale" in Casabindo. Foto: Margulla / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0

  • Yavi. Der kleine Ort im extremen Norden der Provinz ist eine beliebte Tagestour von La Quiaca aus. Er besticht mit einer kleinen maurisch beeinflussten Kirche und der schlichten Markgrafenresidenz aus dem späten 18. Jahrhundert.
  • Casabindo. Nur knapp 150 Einwohner zählt dieses Puna-Dorf westlich von Abra Pampa. Es ist bekannt für seine Kirche aus dem frühen 18. Jahrhundert, welche die größte der Kolonialkirchen der Puna-Region darstellt und als Catedral de la Puna bezeichnet wird.
  • Maimará. Der drittgrößte Ort der Quebrada de Humahuaca ist eines der Zentren der Karneval-Kultur und liegt im vielleicht spektakulärsten Teil der Quebrada, eingerahmt von den farbigen Felsen der Paleta del Pintor. Zu sehen gibt es eine alte Kirche und eine Naturbrücke.
  • Laguna de Pozuelos. Der See liegt westlich von La Quiaca mitten in der Puna, ist flach und salzig und eines der bekanntesten Habitats für Wasservögel wie etwa Flamingos.
  • Cochinoca. Der kleine Ort war bis 1915 eine prosperierende Bergbaustadt. Er hat heute weniger als hundert Einwohner, gilt aber als einer der sehenswertesten der kleinen Puna-Ortschaften. Er besitzt eine alte Kirche, deren Turm aus dem 17. Jahrhundert stammt, und eine idyllische Kapelle an einem Berghang.
  • Susques und die Salzseen. Die Straße zwischen Purmamarca und dem Jama-Pass an der chilenischen Grenze birgt viele Naturspektakel. Die Salinas Grandes ist dank ihrer Lage inmitten rötlicher Berggipfel die wohl spektakulärste Salzpfanne des Landes. Der von Flamingos bewohnte Guayatayoc-See liegt nur wenige Kilometer entfernt. Der einzige nennenswerte Ort an der Straße ist das etwas mehr als 1000 Einwohner zählende Susques mit einer der ältesten erhaltenen Kirchen aus dem ausgehenden 16. Jahrhundert mit eigenständiger Architektur.
  • San Pedro. Die zweitgrößte Stadt der Provinz mit etwa 60.000 Einwohnern hat ein lebendiges Zentrum, das sich aber kaum von anderen Städten abhebt. Sehenswert sind das Rathaus in prächtiger, neokolonial beeinflusster Jugendstilarchitektur und die Kirche. San Pedro gilt als Karnevalhauptstadt der Yunga-Region, die umfangreichen Festlichkeiten im Februar wurden bisher kaum vom Tourismus beachtet.
  • Libertador General San Martín. Die drittgrößte Stadt der Provinz besticht weniger mit dem modern-chaotischen Zentrum als mit seiner Lage am Nationalpark Calilegua und dem Arbeiterviertel Ledesma, einem kompletten Ensemble in hübscher neo-kolonialer Architektur.
  • Nordwestliche Puna. In der Nordwestecke Argentiniens, einem äußerst abgelegenen Gebiet mit nur rudimentärer Infrastruktur, liegen einige der schönsten und farbenfrohesten Felslandschaften. So säumt den winzigen Ort Paicone ein saftig roter Hügel mit gelben Einsprengseln. Kuriose Formationen können im Valle de la Luna besichtigt werden, und tolle Fotomotive bietet der kleine Salzsee Laguna Villama.

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