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Die Provinz La Rioja - Porträt & Reiseführer

Die Provinz La Rioja liegt südlich der Provinz Catamarca und zu etwa zwei Dritteln im Gebirge. Im Westen erheben sich die Anden, im Zentrum die nur wenig niedrigeren Sierras Pampeanas, die jedoch geologisch älter sind. Das Klima ist überwiegend trocken und die Landschaft außerhalb fruchtbarer Täler steppen- oder wüstenhaft. Aus Sicht des Tourismus ist besonders der Westen und hier ganz besonders der Nationalpark Talampaya interessant. Der Fremdenverkehr ist außer in Talampaya, der Hauptstadt und der Region rund um Chilecito aber wenig entwickelt.

La Rioja ist dünn besiedelt: Es zählt nur eine Großstadt, die Hauptstadt La Rioja mit knapp 180.000 Einwohnern, und eine Mittelstadt, Chilecito, mit 35.000 Einwohnern. Alle anderen Orte sind unter 15.000 Einwohner „stark“. Nur die Städtchen Aimogasta, Chamical und Chepes besitzen eine gewisse Bedeutung als Dienstleistungszentren.

Die Provinz ist verglichen mit den nördlichen Nachbarprovinzen relativ wohlhabend, auch wenn teilweise feudale Zustände herrschen und es ein großes Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich gibt. Die Industrie hat seit den Achtzigerjahren einen großen Zuwachs erfahren. In der Provinzhauptstadt entstand ein großer Industriepark, von der Provinzregierung gefördert. Vor allem die Pharmaindustrie ist stark vertreten. Im Landesinneren basiert die Wirtschaft noch größtenteils auf der Landwirtschaft, vor allem Wein und Zitrusfrüchte werden in dem sonnigen und warmen Klima angebaut. Dagegen ist der Bergbau, früher eine Haupteinnahmequelle der Provinz, fast völlig zum Erliegen gekommen. Ein mögliches Comeback in Form von riesigen Tagebauen, in denen Gold, Kupfer und andere Metalle gefördert werden sollen, wird von der Bevölkerung abgelehnt und ist aus Umweltsicht äußerst bedenklich.

Viele Einwohner der Provinz sind Nachkommen von Syrern, Libanesen und Arabern, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert aus dem Osmanischen Reich in den argentinischen mittleren Westen einwanderten. Dies trifft auch auf den wohl berühmtesten „Sohn“ der Provinz, Ex-Präsident Carlos Menem, zu. Kulturell sieht sich La Rioja als Zwischenglied zwischen dem Cuyo, dem „weinseligen“ Westen Argentiniens, und dem mehr von Ureinwohnern geprägten Nordwesten.

Der Westen: Rote Felsen und schneebedeckte Bergriesen

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Nationalpark Talampaya. Foto: Gino Lucas T. / Wikimedia Commons / GFDL & CC-BY 3.0

Im Westen von La Rioja erheben sich die höchsten Gipfel der Provinz - allerdings nicht, wie man denken könnte, in den Anden, sondern im vorgelagerten Famatina-Massiv, das zu den Sierras Pampeanas gehört. In dieser Region, die sich zwischen dem Tal rund um Chilecito und der chilenischen Grenze erstreckt, finden sich die landschaftlichen Hauptattraktionen von La Rioja.

Das große Highlight ist der Nationalpark Talampaya. Hier kann man bizarre Felsformationen von gigantischen Dimensionen bewundern, die in allen Farbtönen, besonders Rot und Orange, in der fast immer strahlenden Sonne leuchten. Auch einige Zwischentäler wie die Schlucht von Miranda sind besonders für Einsamkeitsliebhaber eine Reise wert. Für Abenteurer empfiehlt sich ein Trip zur Laguna Brava im äußersten Nordwesten der Provinz, ein Naturwunder in einer surrealen Landschaft.

Ausgangspunkt und touristisches Zentrum ist die Stadt Chilecito am Fuß des Famatina-Massivs. Die etwas provinzielle, aber schnell wachsende Stadt kann nicht mit großen Highlights punkten, bietet aber eine passable Infrastruktur und in ihrer Umgebung einige historische Kapellen. Für den Westen mit Talampaya ist dagegen das deutlich kleinere und recht ländliche Villa Unión das Dienstleistungszentrum.

La Rioja und Umgebung: Zwischen Boom und Tradition

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Die Basilika von La Rioja. Foto: José Porras (Elemaki) / Wikimedia Commons / GFDL & CC-BY 3.0

Die Stadt La Rioja ist in jeder Hinsicht das Zentrum der Provinz und liegt auch geographisch im zentralen Bereich. Sie besitzt zahlreiche historische Bauten, darunter eine der ältesten Kirchen Argentiniens. Die Stadt wirkt sauber, modern und aufgeräumt und könnte als Kleinausgabe vom architektonisch ähnlichen Córdoba durchgehen. Inzwischen hat sie auch bei den Dienstleistungen aufgeholt und bietet Hotels aller Klassen, Gastronomie und ein passables Nachtleben. La Rioja ist Universitätsstadt und gehört überraschenderweise zu den Städten mit dem höchsten Anteil 20- bis 35-Jähriger. Es ist also kein Wunder, dass kulturell Aufbruchstimmung herrscht.

Die Umgebung der Stadt wird von den Sierras Pampeanas geprägt. Die Landschaft ähnelt mit ihren Buschwäldern etwas den Sierras de Córdoba, jedoch ist das Klima heißer und trockener. Ein schönes Ausflugsziel von La Rioja aus ist das Tal Los Sauces mit dem kleinen Ferienort Villa Sanagasta. Hier gibt es gute Möglichkeiten für Trekking- und Reittouren zu Felsformationen und Schluchten.

Weiter im Norden wird die Landschaft flacher und öffnet sich zum sogenannten Campo de Belén, das bis in die Provinz Catamarca reicht. Rund um Aimogasta können Besucher zahlreiche alte Dörfer mit kolonialen Kirchen besichtigen. Auch befindet sich in der Region das Thermalbad Santa Teresita.

Der Süden: Chamical, Chepes und Sierra de los Llanos

Entre Olta y Loma Blanca

Landschaft bei Olta. Foto: Masterrp / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0

Nur wenig bekannt als Reiseziel ist der dünn besiedelte Süden. Die Landschaft besteht größtenteils aus flacher Steppe. Es gibt jedoch mit der Sierra de los Llanos ein hübsches und vom Tourismus fast unentdecktes Mittelgebirge. Hier hält sich Gaucho-Romantik pur. Die Gegend wurde früh besiedelt und ist bekannt als Sitz der Caudillos, reicher Patriarchen im 19. Jahrhundert wie Facundo Quiroga. Im beschaulichen Landstädtchen Olta liegt ein Feldweg, die im berühmten Tango „Caminito“ besungen wird und der berühmten Straße in La Boca (Buenos Aires) Pate stand.

Die beiden größten Städte der Region, Chamical und Chepes, bieten wenige Attraktionen und nur wenig Infrastruktur, in Chamical findet sich ein kleiner Stausee. Viel attraktiver sind die alten Bergdörfer in den Sierras, beispielsweise Malanzán mit seiner historischen Finca und Tama mit seiner klassizistischen Kirche.

Die wichtigsten Reiseziele in La Rioja

Sierras de Famatina Chilecito

Sierras de Famatina bei Chilecito. Foto: Roberto Fiadone / Wikimedia Commons / GFDL & CC-BY-SA 3.0

  • Nationalpark Talampaya. Der Eingang in dieses grandiose Reservat mit kathedralen- und festungsartigen Felsformationen befindet sich etwa 65 km südlich von Villa Unión. Vom Informationszentrum aus sind Kurztouren ohne Anmeldung möglich. Um tiefer in das Tal einzudringen, ist eine geführte Tour erforderlich. Nur wenig südlich liegt das ebenfalls von Felsskulpturen geprägte Ischigualasto, bereits in der Provinz San Juan.
  • La Rioja. Die dynamisch und sauber wirkende Stadt liegt in einem grünen, bewaldeten Tal und besitzt mehrere sehenswerte Bauten. Neben der berühmten Basilika San Nicolás de Bari im orientalisch-historizistischen Stil ist die Jesuitenkirche Santo Domingo aus dem Jahr 1623 sehenswert, gemeinsam mit der Compañía de Jesús von Córdoba das älteste erhaltene Gotteshaus Argentiniens.
  • Chilecito. Inmitten von Kakteen liegt die zweitgrößte Stadt der Provinz. Die Innenstadt ist nicht weltbewegend, bietet aber einen rustikalen Charme und einige urige Bars und kleine Museen. In der Umgebung können eine monumentale Christusstatue, die Finca Samay-Huasi, die Kapelle in Los Sarmientos und die alten Städtchen Nonogasta und Sañogasta besichtigt werden.
  • Aimogasta und Valle Vicioso. Die kleine Dienstleistungsmetropole im Norden der Provinz liegt inmitten von Olivenhainen und ist der Ausganspunkt für Touren in das urige Tal Valle Vicioso mit alten Dörfern und kleinen Kolonialkirchen.

Geheimtipps in der Provinz La Rioja

Reserva Laguna Brava

Landschaft nahe der Laguna Brava an der Grenze zu Chile. Foto: Bruno Aiub Robledo / Wikimedia Commons / CC0

  • San José de Vinchina. Dieser unscheinbare Ort liegt im extremen Nordwesten von La Rioja. Am Fluss sind aus präkolumbinischer Zeit kuriose Sterne aus mehrfarbigem Schotter erhalten, die aus der Diaguita-Kultur entstammen und deren Bedeutung bis heute unklar ist.
  • Olta und Sierras de los Llanos. Die vergleichsweise niedrige Bergkette birgt eine alte Kulturlandschaft voller Tradition und Landromantik. In Olta gibt es einen kleinen Stausee, rundherum können Fincas und urige Dörfer besichtigt werden.
  • Termas Santa Teresita und Villa Mazán. Die Thermalbäder liegen im zentralen Norden der Provinz und bieten ein Hotel mit guter Infrastruktur. Direkt nebenan findet sich das schöne, inmitten von Olivenhainen gelegene Landstädtchen Villa Mazán.
  • Laguna Brava. Der See im extremen Nordwesten der Provinz hat seinen Namen von der wechselhaften Oberfläche, die wie von Geisterhand zu bestimmten Zeiten zu schäumen beginnt. Die wildromantische Landschaft war lange Abenteurern vorbehalten, ist aber heute über eine Straße erreichbar; Ausgangspunkt ist San José de Vinchina.
  • Famatina. Die alte Bergwerksstadt liegt inmitten einem grünen Tal westlich von Chilecito. In der Umgebung finden sich wunderschöne Berglandschaften mit vielfarbigen Felsen.

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