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Die Provinz Neuquén - Porträt & Reiseführer

Die Provinz Neuquén ist die nördlichste Provinz Patagoniens und liegt im zentralen und südlichen Westen des Landes. Sie bietet Besuchern viele lohnende Reiseziele und große Kontraste. So liegt hier der größte Teil der grünen sogenannten Argentinischen Schweiz - der rauhe Osten dagegen ist steppenhaft und trocken.


Die Boomprovinz mit Mapuche-Einschlag

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Pehuenes im Nationalpark Lanín. Die Unterart der Araukarien gehören zu den Wahrzeichen von Neuquén. Foto: MonicaSP54 / Public Domain


Schon der Name zeigt es an: Neuquén ist eine der Provinzen Argentiniens, in denen die Ureinwohner die Kultur am meisten prägten. Die in der Provinz und den angrenzenden Gebieten in Río Negro und Chubut wohnhaften Mapuche sind eines der zahlenmäßig größten der originären Völker Südamerikas - es sind etwa 600.000 an der Zahl. Ungefähr 90 Prozent von ihnen leben in Chile, in der Andenregion Neuquéns ist ihr Einfluss ihrer Kultur jedoch ebenfalls groß und wird inzwischen auch vom Staat teils in Reservaten geschützt.

Die Provinz gehört heute zu den Haupt-Wachstumsregionen des Landes. Neuquéns Wirtschaft wird vor allem vom Erdöl bestimmt, das man am Ostrand der Anden fand. Von diesem Boom profitierte auch die Provinzhauptstadt: sie wuchs von 45.000 Einwohnern 1970 auf 230.000 im Jahr 2010 an und ist heute unbestritten die größte Metropole Patagoniens.

Aber auch der Tourismus ist in der Provinz gut entwickelt. San Martín de los Andes gilt als zweitgrößtes Ski- und Outdoor-Zentrum der argentinischen Südanden nach dem in der Nachbarprovinz Río Negro gelegenen Bariloche. Besonders dort, im Süden der Provinz, findet man dichte Wälder und ein feuchtes Klima, im Norden rund um Chos Malal dagegen eine Steppe mit unregelmäßigen Niederschlägen und viele Vulkane und Thermalquellen. Dazwischen liegt der Araukariengürtel bei Aluminé und Copahue-Caviahue, eine weitweit einzigartige, je nach Lage halbtrockene oder halbfeuchte Landschaft mit Canyons und lieblichen Hügellandschaften, Wäldern, Wiesen und Steppen.


Der Süden: Andengrün und Seenblau

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Der Vulkan Lanín am Huechulafquen-See. Foto: Luis Argerich / CC-BY 2.0


Die südwestliche Hälfte von Neuquén ist das Hauptreiseziel der Provinz und Teil der sogenannten Argentinischen Schweiz. Die landschaftliche Schönheit ist legendär, die Region vielleicht noch abwechslungsreicher als der bekanntere Teil in Río Negro. Riesige tiefblaue Seen ziehen sich durch bewaldete Andentäler, die man so grün und naturbelassen in Europa nirgends mehr findet. Gesäumt wird die Landschaft von mehreren, teils bis heute aktiven Vulkanen.

Trotz dieser Schönheit wird man auf einer Reise in diese Region nur an wenigen Orten Massentourismus erleben. Genau genommen beschränkt er sich auf zwei kleine Städte: San Martín de los Andes am herrlichen Lácar-See und Villa La Angostura am großen, verspielten Nahuel Huapí, die beide nicht nur im Sommer mit ihren Outdoor-Möglichkeiten punkten, sondern auch im Winter als Skizentren beliebt sind. Nur dort findet man allerdings auch eine gut ausgebaute touristische Infrastruktur mit relativ engmaschigen öffentlichen Verkehrsmitteln vor. Im Rest der Region bleibt man, insbesondere bei einer Rundreise auf eigene Faust, weiter oft auf ein eigenes Auto oder einen Mietwagen angewiesen.

Noch unbekannt, aber im Wachsen ist das Übergangsgebiet zum trockenen Norden der Provinz rund um die kleinen Dörfer Aluminé und Villa Pehuenia, wo bereits die wunderschönen Araukarienbäume - Wahrzeichen der Provinz - zu bestaunen sind. Ein weiteres Highlight ist das Valle Encantado im Südosten der Provinz, ein Canyon mit sehr kuriosen Felsformationen.


Der Norden: Eine raue, unbekannte Schönheit

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Landschaft bei Chos Malal. Foto: Kkkr / Wikivoyage / CC-BY-SA & GFDL


Im Norden Neuquéns gehen die regenreichen Südanden in die trockenen Zentralanden über. Dieses Gebiet ist sehr kontrastreich und nicht weniger reizvoll als der bekanntere Süden. An den Bergen sieht man auf der Reise nach Norden immer häufiger vielfarbige Felsen, während zwischendurch immer wieder ein saftig grünes Tal durchscheint. Auch Seen sind in der Region zu finden, die jedoch nicht die Mächtigkeit der gigantischen Wasserflächen im Süden erreichen.

Das große touristische Highlight ist hier der Doppelort Caviahue-Copahue mit den schönsten Araukarienwäldern des Landes, dem mächtigen Vulkan Copahue und den gleichnamigen Thermalbädern, die von Kurgästen aus der ganzen Welt besucht werden. Weit weniger Reisende verirren sich in die Region rund um Andacollo und Huinganco, einer üppig grünen alpinen Enklave mitten in der Steppe - auch hier sind Thermalquellen zu finden. Ganz im Norden findet sich mit Rincón de los Sauces die dank des Erdöls am schnellsten wachsende Stadt Argentiniens - und mit dem trotz Casino verschlafenen Chos Malal Neuquéns erste Hauptstadt.


Neuquén und Umgebung: Patagoniens Metropole

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Panorama der größten Stadt Südargentiniens. Foto: Albasmalko / CC-BY-SA 3.0


Die Provinzhauptstadt Neuquén ist eine der modernsten und am schnellsten wachsenden Städte Argentiniens. Dennoch ist die Stadt lebenswert und gemütlich geblieben - so wirkt die Innenstadt dank der vielen Bäume sehr grün. Doch keinesfalls hat man es mit einem Provinznest zu tun. So hat Neuquén das südlichste professionelle Sinfonieorchester der Welt, das Nationalmuseum für Schöne Künste betreibt hier eine Zweigstelle, und das Leben auf den Straßen, in den Clubs und Theatern kann es durchaus mit dem von weit größeren Städten wie Rosario oder Córdoba aufnehmen. Besonders im Sommerhalbjahr lohnt ein Besuch der südargentinischen Metropole: Dann füllen sich die herrlichen Flusstrände wie das Balneario Río Grande, Kanufahrer bevölkern den Fluss, Musiker spielen im neuen Uferpark und man fühlt sich gar nicht wie in einer der rausten Steppen der Welt.

Mit ihren Vororten Plottier, Cipolletti, Centenario und Cinco Saltos vereint die Stadt Neuquén knapp 450.000 Einwohner. Vor allem Chilenen und Nordargentinier sind in diese Stadt gezogen, um ihr Glück zu versuchen. Das rasante Wachstum hat Neuquén auch einige Slums und eine durchaus großstädtische Kriminalitätsrate beschert - Reisende haben jedoch wenig zu fürchten. Vom Tourismus wurde die Stadt bisher kaum entdeckt, doch dies ändert sich langsam. Viele Besucher verbinden eine Reise nach Neuquén mit einer Tour zu den immer zahlreicheren Weingütern der Region, in das Hochtal des Río Negro und zum grandios in rötlich glänzenden Felsen gelegenen Stausee El Chocón.


Die beliebtesten Reiseziele der Provinz Neuquén

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Badefreuden in San Martín de los Andes. Foto: Nsimean / CC0

  • San Martín de los Andes. Die etwas mehr als 30.000 Einwohner zählende Stadt liegt herrlich am Lácar-See und gilt als einer der architektonisch gelungensten Orte des Landes. Wander-, Mountainbike- und Reittouren in die umliegenden Berglandschaften, Wassersport am See und ein Skizentrum lassen zu keiner Jahreszeit Langeweile aufkommen.
  • Neuquén. Die Provinzhauptstadt besticht mit der größten Kulturszene Patagoniens, einer schönen Umgebung mit vielen Ausflugsmöglichkeiten und herrlichen Flusstränden.
  • Villa La Angostura. Am Nahuel Huapí-See im extremen Süden von Neuquén gelegen, bietet das 10.000-Einwohner-Städtchen neben Outdoor-Freuden ein Skizentrum und Bootstouren in den märchenhaft schönen Wald des Nationalparks Los Arrayanes.
  • Caviahue-Copahue. Der Doppelort liegt inmitten von Araukarienwäldern an einem kleinen See in einer einzigartigen, kontrastreichen Landschaft mit tollen Wandermöglichkeiten. Das berühmte Thermalbad von Copahue ist von Dezember bis April geöffnet.


Geheimtipps in der Provinz Neuquén

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Las Ovejas, einsamer Ort im Nordwesten von Neuquén. Foto: Kkkr / Wikivoyage / CC-BY-SA & GFDL

  • Andacollo, Huinganco und Umgebung. Die kleine Bergbaustadt Andacollo liegt an der Grenze zwischen Steppe und Feuchtanden inmitten rötlich glänzender Felsenberge am reißenden Río Neuquén. Das nahe Huinganco bezaubert mit einem unerwartet mitteleuropäisch-alpinen Flair, und in der Umgebung liegt das urige Dorf Las Ovejas und in Villa Aguas Calientes eine wenige bekannter Thermalquelle mit kleinen Geysiren.
  • Villa Pehuenia. Der kleine Ferienort an der Grenze zu Chile erwachte erst in den letzten beiden Jahrzehnten zum Leben und bietet Araukarienwälder an einem herrlich blauen See mit hervorragenden Bade- und Outdoorsport-Möglichkeiten.
  • Junín de los Andes. Die kleine Stadt ist nach San Martín der zweite Zugang zum Nationalpark Lanín und weit weniger überlaufen. Die Stadt liegt allerdings etwas abseits der Andenlandschaft, so dass besonders Reisenden mit Mietwagen oder eigenem Fahrzeug der Besuch von Junín empfohlen sei.
  • El Chocón. Der wunderschöne Stausee liegt knapp 100 Kilometer südlich der Provinzhauptstadt und bietet ungetrübte Badefreuden zwischen rötlich glänzenden Sandsteinfelsen.
  • Nationalpark Laguna Blanca und Zapala. Mitten in der Steppe liegt der wunderschöne See Laguna Blanca mit einem großen Vogelreichtum vor der Kulisse schneebedeckter Berge und Vulkane. Auch der Ausgangspunkt Zapala, die drittgrößte Stadt der Provinz, ist dank seiner schönen Lage einen Besuch wert.
  • Stauseen des Río Neuquén. Zwei riesige Wasserflächen, die Seen Mari Menuco und Los Barreales, prägen den zentralen Norden der Provinz und bieten gute Bademöglichkeiten. Für die Anfahrt ist ein eigenes Fahrzeug zu empfehlen.

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