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Die Provinz Salta - Porträt & Reiseführer

Die Provinz Salta legt sich im äußersten Nordwesten Argentiniens wie eine Schale um die Provinz Jujuy. Touristisch gehört Salta zu den Highlights des Landes mit einer attraktiven Provinzhauptstadt, vielfarbigen Landschaften und urigen, alten Kleinstädtchen und Dörfern. Die Natur präsentiert sich äußerst vielfältig: Dominieren im von den Anden geprägten Westen die Trockensteppe der Puna und oasenhafte Hochtäler, so ist der Zentralbereich feucht und von Nebelwäldern bedeckt. Ganz im Osten erstrecken sich die Weiten des Chaco, und die Landschaft wird wieder trockener und unwirtlicher.

Salta gehört zu den wenigen Provinzen Nordargentiniens, die wirtschaftlich den Landesdurchschnitt erreichen. Die Schere zwischen Arm und Reich ist hier jedoch besonders groß, da lange Zeit eine Kaste von Großgrundbesitzern im Bund mit der Politik ihren Reichtum auf Kosten der Armen vergrößerte. Besonders die ländlichen Regionen im Osten sowie die Puna-Region sind unterentwickelt; die Bevölkerung dort besitzt nur wenige Möglichkeiten zum Aufstieg. Das Landarbeitertum, das früher Zehntausende Familien ernährte, ist wegen der technischen Fortschritte der Landwirtschaft im Niedergang begriffen. Kleinbäuerliche Betriebe wie in der Nachbarprovinz Jujuy sind selten anzutreffen. Die reale Arbeitslosigkeit in diesen Regionen beträgt daher oftmals über 30 Prozent.

Puna und Hochtäler: Spektakuläre Farbenspiele

Quebrada de Cafayate

Märchen in Rot und Grün: Die Quebrada de las Conchas bei Cafayate. Foto: Fernando Pascullo / Public Domain

Der Westen von Salta wird von der trockenen Puna-Hochebene geprägt, in der zwei größere Täler langgestreckte Oasen bilden: das Valle Calchaquí im Süden und die Quebrada del Toro im Norden. Beide Täler bieten wunderschöne Farbkontraste zwischen der grünen Talvegetation und rötlichen Felsen; wildromantische Schluchten mit bizarren Felsformationen wie die Quebrada de las Conchas bei Cafayate zweigen von ihnen ab und bieten tolle Wandermöglichkeiten, auch wenn ein Auto oder Mietwagen wegen des dünnen öffentlichen Verkehrsnetzes oft von Nutzen ist.

Das Calchaquí-Tal gehört zu den Highlights jeder Argentinienreise und wird auch als Radwanderroute immer beliebter. Cafayate im äußersten Südwesten der Provinz ist eines der bedeutensten Touristenzentren Argentiniens und auch als Weinbauernort landesweit bekannt. Im Norden des Calchaquí-Tals finden sich wunderschöne alte Dörfer wie Cachi und Molinos. Ganz im Norden findet sich der Acay-Pass, einer der höchsten befahrbaren Pässe der Welt, auf 4.895 Metern Höhe.

In der dünn besiedelten Quebrada del Toro verkehrt der weltberühmte Touristenzug Tren a las Nubes. Die Bahnstrecke, einst eine wichtige Handelsroute, zählt zu den Wundern der Ingenieurskunst des frühen 20. Jahrhunderts. Der Bau dauerte von 1921 bis 1948. Um den Andenpass Abra Chorrillos auf 4.475 Metern über dem Meeresspiegel zu erklimmen, waren Zickzack- und Schleifenabschnitte nötig.

Am Ende der Quebrada del Toro öffnet sich die Landschaft zur Puna. In dieser einsamen Hochsteppe auf knapp 3.000 bis 4.000 Metern Höhe erhebt sich das einsame Städtchen San Antonio de los Cobres, einst ein prosperierendes Bergbauzentrum. Diese Region ist sehr dünn besiedelt und wird von Bergriesen wie dem Vulkan Llullaillaco (6.739 m) gesäumt.

Salta und die subtropischen Täler

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Straßenszene in Salta, im Hintergrund die San-Francisco-Kirche. Foto: Fulviusbsas / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0

Die Täler rund um die Provinzhauptstadt Salta sind eine feuchte, bewaldete Region. Das Land wird landwirtschaftlich genutzt, Tabak und andere subtropische Gewächse werden angebaut. Ein äußerst angenehmes Klima auf 1000 bis 1500 Metern Höhe macht das Reisen zu jeder Jahreszeit zum Genuss, wenn auch im Sommer vergleichsweise viel Regen fällt. Die Region ist die am dichtesten besiedelte der Provinz, neben Salta finden sich hier auch die Mittelstädte Rosario de Lerma, Metán und Rosario de la Frontera.

Der Spruch Salta La Linda (Salta die Schöne) trifft nicht nur auf die Natur der Provinz, sondern auch auf ihre Hauptstadt zu. Mit etwa 500.000 Einwohnern ist Salta eine stattliche, schnell wachsende Metropole geworden. Die Altstadt gilt als die am besten erhaltene aller argentinischen Großstädte, auch wenn manch kolonial anmutendes Gebäude aus dem mittleren 20. Jahrhundert stammt.

Mit ihrer bedeutenden Universität und vielen Museen, als Regionalmetropole der Literatur und als Zentrum der Folklore-Musikkultur ist Salta kulturell bedeutend. Auch die Gastronomie gilt als herausragend - besonders viele Restaurants, Bars und Peñas mit Livemusik findet man in der urigen Straße Balcarce. Dies alles macht Salta zu einem der beliebtesten Städtetrips des Landes.

Regenwaldgürtel und Chaco: Feuchte Hitze und üppiges Grün

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Grün in Grün: Der Río Bermejo an der Grenze zu Bolivien. Foto: Sean Mulry / Flickr & Wikimedia Commons / CC-BY 2.0

Der zentrale und nördliche Teil der Provinz liegt im vom Nebelwäldern geprägten Yungas-Gebiet, das sich von der bolivianischen Grenze bis in den Süden von Tucumán erstreckt. Das Gelände ist hügelig und liegt zwischen 300 und 1200 m hoch, das Klima ist feucht-subtropisch. Die Täler werden landwirtschaftlich genutzt, an einigen Orten wird auch Erdöl gefördert. Um der Abholzung Einhalt zu gebieten, wurden große Naturschutzgebiete wie die Nationalparks Finca El Rey und Baritú mit weitgehend unberührter Natur angelegt.

In dieser Region wohnen die meisten Ureinwohnervölker Argentiniens, vor allem Wichí, Toba und Chiriguanos, aber auch Chorotes und Chulupies sowie Guaranís. Ihre Siedlungszentren liegen rund um die Städte Orán, Pichanal, Embarcación, Tartagal und die Grenzstadt Salvador Mazza (Pocitos). Teils leben sie auf dem Land als Kleinbauern, teils als abhängige Arbeiter in den Städten. Auch in Salta ist es für sie schwer in der Gesellschaft aufzusteigen, da ein versteckter Rassismus weit verbreitet ist und Weiße oft bevorzugt werden.

Der Osten Saltas ist wieder etwas trockener und gehört zum westlichen Chaco. Diese Ebene ist dünn bevölkert und von Viehzuchtbetrieben geprägt, ein großer Teil des Impenetrable genannten Buschwaldes mit Palmen und kleinen Sümpfen ist aber auch noch erhalten. Die einzigen „Städte“ sind Joaquín V. Gonzalez und Rivadavia.

Die beliebtesten Reiseziele in der Provinz Salta

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Spektakulär in der Schlucht versteckt: Iruya. Foto: Gonzalo Rivero / Wikimedia Commons / GFDL & CC-BY-SA 3.0

  • Salta. Die Altstadt ist eines der großen Highlights Nordwestargentiniens. Die Kathedrale von 1858 und die San-Francisco-Kirche von 1872 (mit Teilen des Kirchenschiffs aus der Kolonialzeit) gehören zu den schönsten Zeugnissen der neobarocken Sakralarchitektur in Argentinien. Aus der Kolonialzeit stammen der wuchtige Cabildo (ab 1780) und das San-Bernardo-Kloster. Zu entdecken sind viele Museen, darunter auch ein bedeutendes für moderne Kunst. Gruselig: Im Archäologiemuseum sind die hervorragend erhaltenen Mumien dreier Kinder ausgestellt, die in der Inka-Zeit als Menschenopfer auf dem Vulkan Llullaillaco getötet wurden. Eine wunderschöne Aussicht auf die Stadt erhält der Besucher vom Hausberg San Bernardo, auf den eine Seilbahn führt.
  • Cafayate. Die Weinbau-Metropole im Valle Calchaquí war lange die zweitgrößte Stadt der Provinz und bietet schöne Altbauten wie die Kathedrale im Renaissancestil. Neben den Weingütern und guten Wandermöglichkeiten ist die größte Attraktion aber wohl die Quebrada de las Conchas (auch einfach Quebrada de Cafayate) mit spektakulären Felsformationen, die 15 Kilometer östlich der Stadt beginnt.
  • Quebrada del Toro und Tren a las Nubes. Das vielfarbige Felsental ist nur dünn besiedelt und besonders durch den Tren a las Nubes bekannt, den bekanntesten Touristenzug Argentiniens. Die Fahrt ist nicht billig; eine Alternative ist die günstigere Fahrt mit dem Bus, wobei der Zug jedoch auch wildromantische abgeschiedene Ecken durchfährt, die sonst nur schwer erreichbar wären. Ziel ist der kleine Puna-Bergbauort San Antonio de los Cobres und der Viadukt La Polvorilla auf 4220 Metern Höhe.
  • Iruya. Abgeschnitten vom Rest der Provinz, gilt Iruya als der Ort Argentiniens mit der großartigsten Lage. Das Dorf liegt in einer engen Felsschlucht auf 2780 Metern Höhe, hat sein uriges Flair dank der Abgeschiedenheit gut bewahrt und kann von Humahuaca (Jujuy) aus besucht werden. Empfehlenswert ist der Besuch in der Nebensaison; in den Sommer und Winterferien sind die wenigen Busse schnell voll und das Dorf verliert einen Teil seines Charmes.
  • San Lorenzo. Der kleine Ort im westlichen Valle de Lerma ist das beliebteste Naherholungsgebiet für die Bewohner der Provinzhauptstadt und liegt wunderschön an einem bewaldeten Berghang.

Geheimtipps in der Provinz Salta

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Schlichte Schönheit: Die Kirche von Cachi. Foto: Juliobosco / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0

  • Cachi und das nördliche Valle Calchaquí. Etwas abseits vom Trubel von Cafayate wurde das nördliche Valle Calchaquí inzwischen über eine gute Asphaltstraße erschlossen und damit ebenfalls zu den Highlights der Provinz geworden. Cachi ist ein Zentrum des argentinischen Pfefferanbaus und besticht mit einer großen Plaza, von weißen Altbauten gesäumten Gassen und einer schlichten, hübschen Kolonialkirche. In der Region sind zahlreiche alte Gutshöfe aus dem 18. und 19. Jahrhundert in Ortschaften wie Molinos und San Carlos erhalten. Ein weiteres Highlight ist der Nationalpark Los Cardones mit einem wahren Kakteenmeer.
  • Santa Victoria. Abgelegen im Norden der Provinz liegt dieses kleine Dorf in einem Tal der östlichen Voranden. Fast noch sehenswerter als der Ort selbst ist die Anfahrt über eine spektakuläre Serpentinenstraße, die nur über die Provinz Jujuy möglich ist.
  • San Ramón de la Nueva Orán und Nationalpark Baritú. Die zweitgrößte Stadt der Provinz liegt im Norden und ist ein guter Ausgangspunkt für Touren in den Nationalpark Baritú. Das Reservat an der Grenze zu Bolivien gilt als naturbelassenstes Regenwaldgebiet des Landes, ist aber vergleichsweise schwer zu erreichen: der beste Weg führt über Bolivien.
  • Tartagal. Die Stadt liegt nahe von Erdölförderstätten und ist das wirtschaftliche Zentrum des vom Regenwald bedeckten Nordosten von Salta. Als moderne Stadtgründung wirkt Tartagal abgesehen von der schönen neobarocken Kirche etwas unscheinbar. Von gleich sieben Ureinwohnervölkern bewohnt, gilt Tartagal als einer der multikulturellsten Orte des Landes; Einblicke in die lokalen Traditionen sind jedoch abgesehen von Veranstaltungen schwierig.
  • Cuevas de Acsibi. Diese spektakuläre Felsen und Höhlenlandschaft mit kuriosen rötlichen Gesteinsformationen liegt nahe Seclantás 15 Kilometer westlich des Valle Calchaquí und ist nur zu Fuß zu erreichen.
  • Nationalpark El Rey. Das Naturschutzgebiet im zentralen Süden der Provinz ist zwar etwas weniger spektakulär als der Baritú. Das alte Finca-Gelände ist aber weit besser zu erreichen und bietet eine passable Infrastruktur mit Campingmöglichkeiten. Bekannt ist der Park für seine Tukanpopulation, aber auch Pumas und verschiedene Affenarten leben im Parkgelände.

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