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Die Provinz San Juan - Porträt & Reiseführer

Die Provinz San Juan ist eine der großen unentdeckten Schönheiten des Landes. Sie liegt an der Grenze zu Chile nördlich des bekannteren Mendoza. Wenn auch die gleichnamige Provinzhauptstadt mit knapp 500.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Westargentiniens ist, so ist der Rest der Provinz sehr dünn besiedelt. Auch wegen dieser Abgeschiedenheit wird San Juan erst allmählich vom Tourismus entdeckt, und die Individualisten sind hier noch in der Mehrheit.

Die von den Anden durchzogene Westhälfte von San Juan ist gebirgig mit einigen eingeschnittenen Längstälern. Dieses Gebiet besticht durch vielfarbige und rauhe Felslandschaften. In der Mitte und im Osten herrscht eine trockene, hügelige Strauchsteppe vor, die teils Wüstencharakter annimmt und nur von wenigen Fluß-Oasen unterbrochen wird. Im Nordosten liegt die bekannteste Touristenattraktion: das Valle de la Luna (Mondtal), eine Wüste, in der sich durch Erosion sehr eigentümliche Felsformationen gebildet haben. In der ganzen Provinz herrscht ein sonniges und warmgemäßigtes Steppenklima, das für höchste Qualität bei einem der wichtigsten regionalen Erzeugnisse sorgt: dem Wein, der zu den besten Südamerikas zählt.

San Juan und Umgebung: Zwischen Brutalismus und Oasenromantik

CIUDAD DE SAN JUAN, Arg.

Die Fußgängerzone: Bäume und Kanäle in der Wüste. Foto: Sanjuanino bei Wikimedia Commons, GFDL/CC-BY-SA

Die Hauptstadt San Juan liegt im der Provinz in der größten Oase, dem Valle de Tulum. Sie hat mitsamt ihrer zahlreichen Vororte etwa 480.000 Einwohner und gehört architektonisch zu den moderneren Städten Argentiniens. Besonders Stile aus dem mittleren 20. Jahrhundert wie der Brutalismus prägen die Gebäude der Innenstadt. Der Grund: Ein Erdbeben zerstörte 1944 weite Teile der Stadt und machte die Altstadt dem Erdboden gleich. Mögen einige dieser klassisch modernen Gebäude heute wie etwas antiquierte Bausünden wirken, so geben sie doch der Stadt einen eigenen Charme. Das liegt nicht zuletzt auch an den alleenartigen Straßen mit Bewässerungskanälen, durch die die gesamte Innenstadt in die Farben der jeweiligen Jahreszeit gebettet wird. Innerhalb dieses Bäumemeers wirken die Beton-Klötze wie das Postamt und einige Bankengebäude viel sympathischer.

San Juan hat ein lebhaftes Zentrum mit einer schönen Fußgängerzone, in der viele Straßencafés zu finden sind und gute Möglichkeiten zum Shoppen geboten werden. Der Kirchturm der modernen Kathedrale, auf den man mit einem Aufzug gegen eine geringe Gebühr fahren kann, ist ein idealer Aussichtspunkt mit 360-Grad-Blick auf das ganze Tal, wie man ihn in argentinischen Städten sonst nur selten findet. Sehenswert ist auch das Kunstmuseum mit einer Sammlung, die sich mit den großen Museen aus Buenos Aires, Córdoba und Rosario messen kann. Am Abend laden zahlreiche Bars im Westen der Stadt an der Avenida del Libertador zu einem Drink ein. Auch ist eine Führung durch Weinkeltereien möglich.

Im östlichen Umland der Provinzhauptstadt liegt eines der bizarrsten Heiligtümer der Welt: die Difunta Correa ("Entschlafene Correa"). Nach der Legende soll hier eine junge Mutter namens Correa, die in der Wüste verdurstet war, ihr Kind noch nach ihrem Tod durch Stillen tagelang am Leben gehalten haben. Pilger beschenken seitdem die Stelle als Heiligtum mit Souvenirs aller Art, besonders jedoch mit schlichten Plastik-Wasserflaschen. Heute haben sich jedoch auch moderne Bauten dazugesellt, die Pilger kommen heute wie an anderen Wallfahrtsorten in ganzen Busladungen.

Die Andentäler: Vielfarbige Felsen und schneebedeckte Bergriesen

Estratos coloridos en Calingasta, prov. de San Juan

Viel Farbe: Felsen bei Calingasta. Foto: José Ignacio Cuitiño bei Wikimedia Commons / GFDL und CC-BY-SA

Der Westen der Provinz San Juan wird von den Anden dominiert. Einige der höchsten Andengipfel liegen hier, gekrönt vom Mercedario mit 6770 Metern Höhe. Die Region ist sehr trocken und dünn besiedelt. Selbst in den Tälern liegt man meist auf mehr als 1.500 oder gar 2.000 Metern Höhe über dem Meeresspiegel. Als Reiseziele sind besonders die beiden langen Täler bekannt, die sich in Nord-Süd-Richtung zwischen Vorkordillere und Anden erstrecken.

Das bekanntere der beiden ist das Valle de Calingasta, das direkt westlich der Stadt San Juan liegt. Es wird von kleinen, aber reißenden Bergflüssen durchzogen und von violett-gelb-rot bizarr gefärbten Felsen gesäumt. Die schönsten Felsformationen findet man bei den Cerros Pintados zwischen den beiden Hauptorten des Tals, Calingasta und Barreal. Besonders Barreal bietet eine passable touristische Infrastruktur. In der Nähe befindet sich mit dem Barreal Blanco ein bizarre, fast perfekt ebene ausgetrocknete Schlammfläche, heute ein Paradies für Strandsegler und Kitebuggy-Fahrer.

Nördlich des Calingasta-Tals liegt das Valle de Iglesia. Dieses wirkt weit einsamer und abgeschiedener, ist aber von vergleichbarer Schönheit. Hier heißen die Hauptorte Rodeo, Tudcum und Iglesia, drei urige Oasendörfer, die auch einige Altbauten aus Adobe beherbergen und hauptsächlich vom Obst- und Gemüseanbau leben. Auch die traditionsreiche Weberei hat sich im Tal noch erhalten.

Die Oasen im Norden und Osten: Jáchal und Valle Fértil

Embalse Cauquenes, Jáchal, prov. de San Juan, Arg

Der Stausee Cauquenes bei San José de Jáchal. Foto: EagLau bei Wikimedia Commons / GFDL und CC-BY-SA

Im Nordosten von San Juan liegt abgeschieden das Städtchen San Agustín de Valle Fértil nahe der Grenze zu La Rioja. Dank seines Stausees und einer lieblichen Bergkette mit vergleichsweise feuchtem Mikroklima hat es sich zu einem der Haupt-Touristenzentren der Provinz gemausert. Auch liegt hier der beste Ausgangspunkt für einen Trip ins bizarre Valle de la Luna. Dieses Tal inmitten einer unwirtlichen Trockensteppe birgt gemeinsam mit dem benachbarten Talampaya die wohl beeindruckendsten Felsformationen des Landes - sie erinnern etwa an U-Boote und Pilze.

Weit weniger vom Tourismus spürt man in der größten Oase des Nordens, dem Jáchal-Tal. Der Hauptort San José de Jáchal wirkt trotz der über 20.000 Einwohner wie kaum mehr als ein größeres Dorf. Auch hier hat sich eine prosperierende Oasenwirtschaft mit Ackerbau und Viehzucht entwickelt; die Voranden sind nah und laden zu Kurztrips wie historischen Weizenmühlen und schattigen Badestellen an den Bergflüssen wie Agua Negra ein.

Die wichtigsten Reiseziele in San Juan

Ischigualasto national park

Das "U-Boot" in Ischigualasto. Foto: As578 / englische Wikipedia / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 2.5

  • San Juan. Die Provinzhauptstadt besitzt eine bemerkenswerte Kulturszene und versprüht dank ihrer Alleen trotz der wenigen Altbauten einen besonderen Charme. Viele Museen laden zum Besuch ein, darunter das Kunstmuseum und das Naturwissenschaftliche Museum in einem der wenigen erhaltenen historischen Gebäude. Für Reisende ist die Infrastruktur hervorragend ausgebaut.
  • Ischigualasto oder Valle de la Luna. Der Star unter den Fotomotiven der Provinz ist eine Trockenlandschaft mit bizarren, zum Teil großformatigen Schlamm- und Gesteinsformationen. Etwas abgelegen im Nordosten nahe La Rioja. Nur das kleine Dorf Los Baldecitos bietet einige Dienstleistungen, ansonsten ist die Gegend unbewohnt, ein guter Ausgangspunkt ist San Agustín.
  • Barreal. Der größte Ort im Calingasta-Tal ist das wichtigste Sommerreiseziel der Einwohner von San Juan. Es besticht mit grünen Wäldchen und Äckern, gesäumt von vielfarbigen Felsen. Etwas nordöstlich befindet sich die vielfarbige Berglandschaft Cerros Pintados, das Strandsegler-Mekka Barreal Blanco und die bizarre Felsformation Alcázar.
  • San Agustín de Valle Fértil. Gelegen an einem kleinen Stausee, bietet San Agustín Badefreuden und Möglichkeiten für Trekking und Wassersport in einer lieblichen Berglandschaft mit Bächen und Wasserfällen, die etwas ans nahe Córdoba erinnert.
  • Difunta Correa. Der Pilgerort der "Entschlafenen Correa" ist zwar architektonisch wenig sehenswert, aber eine wahre Fundgrube all die, die am lateinamerikanischen Volksglauben interessiert sind. Gelegen an der Ruta 141, knapp 100 Kilometer östlich der Provinzhauptstadt.

Geheimtipps in San Juan

Rodeo, prov. de San Juan, Argentina

Landschaft bei Rodeo im Valle de Iglesia. Foto: Ascalise bei Wikimedia Commons / GFDL und CC-BY-SA 3.0

  • Valle de Iglesia. Eine abgeschiedene Region mit urigem Charme, in der die Zeit stehengeblieben scheint. Das Oasental liegt nahe am Andenhauptkamm im Norden der Provinz und ist für Naturfreunde eines der Highlights der Provinz. Für Reisende mit eigenem Auto ist ein Trip zum Agua-Negra-Pass und ins nahe Chile empfehlenswert.
  • San José de Jáchal. Im Norden gelegene Oasenstadt mit beschaulichem Charakter. Sehenswert sind die wuchtige Kirche aus dem 19. Jahrhundert, zahlreiche historische Reihenhäuser und die alten Mühlen nördlich der Stadt. Badestellen an den Flüssen in der von den Voranden geprägten Landschaft bieten Abkühlung im heißen Sommer.
  • Dique de Ullum. 30 Kilometer westlich der Stadt San Juan liegt der größte Stausee der Provinz. Er liegt attraktiv in einem Tal der Voranden mit rötlichen Felsen und bietet gute Bade- und Wassersportmöglichkeiten.
  • Calingasta. Das verschlafene Dorf im Norden des gleichnamigen Tales ist ungleich weniger bekannt als Barreal. Mit tollen Wandermöglichkeiten inmitten violett gefärbter Felsen und einer kleinen Kolonialkirche ist der 2.000-Einwohner-Ort aber durchaus eine Alternative, gerade wenn im Sommer Barreal überlaufener wirkt.
  • Los Manantiales. Etwa 60 Kilometer westlich von Barreal liegt dieser bergige Ort, an dem Extrem-Skifahrer im Winter gute Bedingungen vorfinden. Die Hänge sind nur per Jeep erreichbar, es gibt keinerlei Infrastruktur außer einer Hütte für 18 Personen. Aktivitäten im Gebiet werden vom Ski Club San Juan organisiert.

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