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Die Provinz San Luis - Porträt & Reiseführer

Diese dünn besiedelte Provinz im westlichen Zentrum Argentiniens wurde trotz ihrer landschaftlichen Schönheiten lange von Reisenden sträflich vernachlässigt. Einige Orte haben sich inzwischen als Reiseziele etabliert, doch in weiten Teilen der Provinz wandelt man auch heute noch abseits der ausgetretenen Touristenpfade.

Einst ein abgelegenes Niemandsland, gehört San Luis seit den Achtzigerjahren dank eines Förderungsprogramms für strukturschwache Regionen zu den Provinzen mit dem höchsten Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum. Selbst die beiden größten Städte San Luis und Villa Mercedes hatten noch 1990 den Charakter von größeren Dörfern. Heute haben sie beide die Schwelle zur Großstadt überschritten und bestechen mit einer exzellenten Infrastruktur, wenn sie auch noch nicht zu den Highlights für einen Städte-Trip in Argentinien gehören.

San Luis liegt an der Schnittstelle zwischen zwei Landschaften. Die nördliche Hälfte der Provinz gehört zu den Sierras Pampeanas, der zentralargentinischen Mittelgebirgslandschaft. Hier befinden sich die beliebtesten Fremdenverkehrszentren der Provinz. Sie sind teilweise bewaldet, weisen ein relativ trockenes Klima auf, ihre Gipfel stauen jedoch teilweise den Niederschlag, so dass die Täler fruchtbar sind. Die trockene Pampa im Süden nimmt fast zwei Drittel der Provinz ein, hat im Westen fast schon patagonischen Steppencharakter und ist nur sehr dünn besiedelt.

San Luis und die Sierra de San Luis

Terrazas sanluis

Das moderne San Luis: Der Regierungskomplex Terrazas del Portezuelo. Foto: Luciano Grangetto / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0

Die Sierra de San Luis durchzieht die nördliche Hälfte der Provinz von Südwesten nach Nordosten. Der Süden ist die am dichtesten besiedelte Region. An der wichtigen Ost-West-Verbindung Ruta Nacional 7 liegt San Luis, die Hauptstadt. Sie hat knapp 200.000 Einwohner und ist zu einer prosperierenden Industriestadt geworden. Einige historische Bauten, ein protziges modernes Regierungsviertel und die hübsche Umgebung lassen jedoch einen Stopp lohnenswert erscheinen.

Direkt nordöstlich von San Luis schließt das meistbesuchte Reisegebiet der Provinz an. Mit ihren Buschwäldern, Stauseen und Schluchten erinnert die Landschaft an die bekannteren Sierras de Córdoba. Bereits im Ballungsgebiet der Hauptstadt liegen hübsche Orte wie der Stausee Potrero de los Funes und La Florida. Weiter nordöstlich befindet sich der kleine Ferienort El Trapiche in einem schönen Tal an einem Fluss mit guten Bademöglichkeiten.

Nördlich von Trapiche wird die Sierra einsamer, kaum eine Stadt ist zu finden. Dort finden sich mit dem Valle de Pancanta und dem Bergbauort Carolina wildromantische Paradiese für Abenteurer. Ganz im Nordwesten lockt der Nationalpark Sierra de las Quijadas mit sehenswerten rötlichen Felsformationen, die bereits an die benachbarten Provinzen La Rioja und San Juan erinnern.

Villa Mercedes, Merlo und der Osten

Ruta en Merlo

Bergstraße bei Merlo im Valle de Conlara. Foto: Alfonso / Wikimedia Commons / GFDL & CC-BY-SA 3.0

Auch der Osten und Nordosten von San Luis sind mit vielen attraktiven Reisezielen gesegnet. Mit Villa Mercedes liegt im zentralen Osten die zweitgrößte Stadt der Provinz, fast genau im geografischen Zentrum Argentiniens. Sie weist einige Altbauten aus dem frühen 20. Jahrhundert auf, hat jedoch insgesamt einen modernen und prosperierenden Charakter. Nördlich von Villa Mercedes lockt die bizarre, einsame Vulkanlandschaft Sierra del Morro.

Das beliebteste Reisegebiet ist jedoch das Valle del Conlara im extremen Nordosten. Hier liegt der beliebteste Ferienort von San Luis, die Stadt Merlo mit 20.000 Einwohnern inmitten einer geradezu alpinen Landschaft. Sie wird gesäumt von den bis zu 2.200 Metern hohen Gipfeln der Sierra de Comechingones, welche die Grenze zur Nachbarprovinz Córdoba markiert. Einzigartig: Man gelangt mit Auto oder Taxi über eine gut ausgebaute Serpentinenstraße auf fast 2.000 Meter Höhe, bei spektakulären Aussichten auf die halbe Provinz.

Die trockene Pampa: Der wilde Süden

Salinas del Bebedero

Salzberge auf den Salinas del Bebedero. Foto: Darío Alpern / Wikimedia Commons / GFDL & CC-BY-SA 3.0

Auch heute noch ist der Süden der Provinz San Luis eine der am dünnsten besiedelten Regionen Argentiniens. Das Departamento Gobernador Dupuy im Süden zählt gerade einmal 0,6 Einwohner pro Quadratkilometer. Landwirtschaft und Viehzucht sorgen im Osten für etwas Wohlstand. Dort liegt der größte Ort Buena Esperanza mit gerade einmal 3.000 Einwohnern. Nach Westen hin ist angesichts geringer Niederschläge und versalzener Böden kaum noch Ackerbau möglich.

Große Attraktionen fehlen, allenfalls der Salzsee Salinas del Bebedero zieht einige Reisende an. Eine einsame Hügelkette durchzieht im Westen die Landschaft und sorgt gemeinsam mit dem Tal des Río Salado für etwas Abwechslung, und im Osten unterbrechen einige niedrige Dünen und Wälder die Monotonie. Ansonsten ist die Region flach und gleichförmig.

Die wichtigsten Reiseziele in der Provinz San Luis

Sierra de las Quijadas 5700366689

Sierra de las Quijadas. Foto: Dave Lonsdale / Wikimedia Commons / CC-BY 2.0

  • Merlo und Valle de Conlara. Merlo im extremen Nordosten der Provinz ist ein berühmter Kurort. Das Mikroklima soll bei zahlreichen Krankheiten helfen, doch auch so ist die Landschaft beeindruckend. Die knapp 20.000 Einwohner zählende Stadt bietet eine hervorragende Infrastruktur mit vielen Hotels, Gastronomie und Nachtleben und ist Ausgangspunkt für zahlreiche Ausflüge, etwa zum Aussichtspunkt Mirador del Sol oder zum (leider durch Brände dezimierten) Palmenwald Papagayos.
  • Potrero de los Funes. Der Stausee Potrero de los Funes liegt inmitten einer lieblichen Hügelkette und bietet einige schöne Badestellen. Man spürt die Nähe zur Provinzhauptstadt, so ist im Sommer eine Menge los und rund um den See wurde gar ein Auto-Rennkurs angelegt. Im Umland kann man Schluchten und Wasserfälle erkunden.
  • San Luis. Die Hauptstadt gilt etwas als graue Maus unter Argentiniens Provinzkapitalen. San Luis bietet jedoch durchaus einige Attraktionen wie eine schöne neoklassizistische Kathedrale aus dem 19. Jahrhundert, mehrere prächtige Schulgebäude und das moderne Historische Museum. Die Stadt hat wenige Hochhäuser, ihre Fußgängerzone macht einen sauberen und lebhaften Eindruck. Beeindruckend der moderne Regierungskomplex Terrazas del Portezuelo im Süden der Stadt.
  • Sierra de las Quijadas. Der Nationalpark im Nordwesten der Provinz gehört zu den weniger bekannten des Landes. Die von Erosion zu bizarren Skulpturen - der Name bedeutet "Kieferknochen" - geformte Felslandschaft ist am besten in den Morgen- und Abendstunden zu genießen. Der Park bietet nur wenig Infrastruktur, freies Campen ist die einzige Unterkunftsmöglichkeit.
  • El Trapiche und La Florida. Gelegen etwa 35 Kilometer nordöstlich der Provinzhauptstadt, bietet das ruhige Straßendorf Trapiche einige schöne Badestellen am Fluss - der nicht viel mehr als ein Bach ist - und gute Wandermöglichkeiten. Östlich liegt der große Stausee La Florida inmitten flacher Hügelketten.

Geheimtipps in der Provinz San Luis

Amerian Palace Hotel Y Casino

Hotelbau im Zentrum von Villa Mercedes. Foto: Faiowiki / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0

  • Carolina und Valle de Pancanta. Bergidylle pur bietet die Gegend im zentralen Norden von San Luis mit menschenleeren Graslandschaften und alten Bergwerken. Der kleine Ort Carolina am Cerro Tomolasta bietet als Kuriosität ein Poesie-Museum.
  • Villa Mercedes. Die etwa 120.000 Einwohner zählende Stadt im Osten der Provinz wirkt mit ihren schattigen Alleen wie eine Kleinausgabe von Mendoza oder San Juan. Sie bietet einige sehenswerte Altbauten wie das rosafarbene Rathaus und ein hübsches, von Gründerzeit-Architektur geprägtes Zentrum, auch die Kulturszene ist im Aufwind.
  • Salinas del Bebedero. Der Salzsee im Südwesten der Provinz gehört zu den wichtigsten Kochsalzförderungsstätten Argentiniens. Die Salzfabrik kann nach Absprache besichtigt werden. Er liegt weniger als 45 km südlich der Provinzhauptstadt und kann einfach per Auto oder Mietwagen erreicht werden.
  • Sierra del Morro. Die Landschaft rund um den erloschenen Vulkankegel im Osten ist ein Paradies für Abenteuertouristen. Der 4 Kilometer breite Krater kann erwandert oder per Jeep erreicht werden, es gibt allerdings kaum Infrastruktur. Ausgangspunkt ist das kleine Dorf San José del Morro.
  • La Punta. Die erst 2004 gegründete Planstadt wurde mit dem Zweck erbaut, San Luis zu entlasten und ihren Bewohnern von Grund auf moderne Infrastruktur zu bieten. Die noch etwas menschenleer wirkende Stadt liegt circa 15 Kilometer nördlich der Provinzhauptstadt und bietet unter anderem einen Nachbau des Cabildo von Buenos Aires.

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