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Die Provinz Santa Cruz - Porträt & Reiseführer

Pinturas River Canyon

Einer der schönsten Canyons des Landes: der Río Pinturas. Foto: runoutside - CC-BY 2.0

Die Provinz Santa Cruz ist die zweitgrößte Argentiniens und mit rund 248.000 Quadratkilometern etwa so groß wie Westdeutschland. Sie bildet den südlichen Abschluss des südamerikanischen Festlandes auf der atlantischen Ostseite. Auf einer Reise durch die Provinz kann der Besucher äußerst abwechslungsreiche Landschaften kennenlernen: Der Westen wird von Wäldern und Buschland und den berühmten Gletschern dominiert, während im Zentrum und im Osten trockene Steppe dominiert und an der Küste Pinguin- und Seelöwenkolonien sowie einige schöne Strände zu finden sind.

Santa Cruz - die aufstrebende Südprovinz


Die Provinz Santa Cruz ist sehr dünn bevölkert: nur ein Einwohner kommt auf den Quadratkilometer. Im Nordosten der Provinz, wo Erdöl gefördert wird, ist die Bevölkerungsdichte deutlich höher. Hier liegen auch die meisten wichtigen Städte außer der Hauptstadt: Caleta Olivia, Pico Truncado, Las Heras und Puerto Deseado. Der Zentralteil ist am dünnsten besiedelt, während ganz im Süden die Hauptstadt Río Gallegos (100.000 Einwohner) mit dem schnell wachsenden Fremdenverkehrszentrum El Calafate am Lago Argentino und der Kohlestadt Río Turbio einen weiteren Bevölkerungsschwerpunkt bildet.

Wirtschaftlich ist Santa Cruz eine der reichsten Argentiniens. Jobs in der Erdölförderung und der allgemein hohe Lebensstandard ziehen viele Einwanderer an, so dass die Städte schnell wachsen und auch als Reiseziele immer interessanter werden. Noch kommen aber der Großteil der Besucher, um die grandiose Natur zu genießen.


Die Atlantikküste: Erdöl, Seelöwen und Strände

Cabeza de Leon Parque Nacional Monte Leon Santa Cruz Argentina

Monte León: Bizarre Felsen am Atlantik. Foto: Mikelzubi - GFDL / CC-BY-SA


Die Provinz Santa Cruz besitzt die längste Atlantikküste Argentiniens und viele attraktive Strände, als Ziel von Badetourismus ist sie jedoch fast unbekannt. Dies liegt nicht nur an den frischen Wassertemperaturen und dem im Süden auch im Sommer recht kühlen Klima, sondern auch an der eher spärlichen touristischen Infrastruktur, die sich auf die Städte konzentriert. Steilküstenabschnitte wechseln sich mit flachen Sandstränden und niedrigen Küstengebirgen ab, Inseln gibt es nur wenige.

Die Region rund um den Golf San Jorge im Norden hat ein deutlich wärmeres Klima als der Rest der Provinz und bietet im Sommer gute Bademöglichkeiten. Touristisch am interessantesten, wenn auch insgesamt noch ein Geheimtipp, ist die Hafenstadt Puerto Deseado (15.000 Einwohner), schön gelegen am Canyon des Río Deseado und einem abwechslungsreichen Küstenabschnitt mit Buchten und Felsinseln. Rund um die schnell wachsende zweitgrößte Stadt der Provinz Caleta Olivia (60.000 Einwohner) gibt es einige schöne Strände wie die bizarre Bahía Lángara, einen wirklichen Badeort sucht man jedoch vergebens. Das Wasser ist mit 17-19 Grad im Sommer noch relativ angenehm, und das Wetter präsentiert sich gerade in der warmen Jahreszeit meist sonnig - wenn man auf einer Reise in diese Region auch immer mit etwas Wind rechnen muss.

Südlich des Golfo San Jorge ist das Baden wegen der Wassertemperatur nur in geschützten Buchten ein angenehmes Vergnügen, wie etwa bei Puerto San Julián, das an einer interessanten Halbinsel liegt. Ein noch wenig bekanntes Highlight ist hier der Nationalpark Monte León mit Seelöwenkolonien und bizarren Felsformationen am Meer. Im Südosten der Provinz liegt die Provinzhauptstadt Rio Gallegos mit 100.000 Einwohnern. Sie ist hauptsächlich eine Hafenstadt und exportiert die Produkte aus der Schafzucht, der Industrie um die Stadt sowie der Kohlebergwerke im Südwesten der Provinz bei Río Turbio (15 000 Einwohner). Die Stadt hat sich in den letzten Jahren von einer chaotischen Wüstenstadt in eine angenehme Regionalmetropole gewandelt, im Zentrum geht es aber immer noch beschaulich zu. Hier im Süden von Santa Cruz regiert auch im Sommer der Wind und eine kühle Luft. Ganz am Südende liegt Cabo Vírgenes, die Südspitze der kontinentalen Atlantikküste, mit einer Pinguinkolonie sowie einer Geisterstadt, da hier früher Erdöl gefördert wurde.


Die Anden: Trekkingparadies mit Gletschern und Felsenbergen

El Chaltén o Fitz Roy

Der Fitz Roy: vielleicht der schönste Berg Argentiniens. Foto: Fernando de Gorocica - CC-BY-SA 4.0


Das touristische Highlight der Provinz Santa Cruz liegt in den Anden: Der Nationalpark Los Glaciares im Südwesten schützt eine einzigartige Gletscherlandschaft. Hier befinden sich die einzigen noch wachsenden Inlandgletscher außerhalb der Antarktis. Berühmt ist vor allem der Gletscher Perito Moreno, der zylisch so weit in einen Seitenarm des Lago Argentino hineinwächst, dass der obere Teil vom unteren abgeschnitten wird und es zu einer natürlichen Staumauer kommt, die alle vier bis sechs Jahre unter ungeheurem Getöse vom Druck des „Obersees“ wieder zerstört wird. Dieses wenige Tage andauernde Spektakel gehört zu den beeindruckendsten Naturereignissen der Welt, kommt jedoch dank der Klimaerwärmung immer seltener vor.

Das am Lago Argentino gelegene Landstädtchen El Calafate (20.000 Einwohner) wurde durch die Nähe dieser Gletscher zu einem der Top-Touristenziele Argentiniens und hat inzwischen sogar einen eigenen internationalen Flughafen. Ein weiteres beliebtes Reiseziel ist das erst in den 1980er Jahren gegründete Dorf El Chaltén am Lago Viedma, das als Ausgangspunkt für spektakuläre Wander- und Mountainbiketouren zum höchsten Berg der Provinz, dem Fitz Roy mit seiner berühmten Felsenspitze, dient.

Wenig bekannt sind die Schönheiten im Nordwesten der Provinz mit seinen einsamen Seen, Canyons und Berglandschaften. Etwas Tourismus gibt es am riesigen Lago Buenos Aires und dort besonders im Ort Los Antiguos mit seiner herrlich grünen, in Frühling und Herbst vielfarbigen Landschaft. Ganz abgelegen in einem reizvollen Felsental liegt die wichtigste archäologische Fundstätte Argentiniens, die Cueva de las Manos südlich der Kleinstadt Perito Moreno (5.000 Einwohner).

Die beliebtesten Reiseziele der Provinz Santa Cruz

Perito Moreno Glacier (5469840387)

Weltweit einmalig: der Perito-Moreno-Gletscher. Foto: Liam Quinn - CC-BY-SA 2.0

  • Nationalpark Los Glaciares. Der Nationalpark schützt die berühmten Gletscher der Südanden. Er ist von den beiden Städten El Calafate und El Chaltén aus zu erreichen, die eine hervorragende touristische Infrastruktur bieten. Neben dem Gletscher Perito Moreno beeindruckend ist auch der Gletscher Uppsala, den man auf einer Bootstour erleben kann.
  • Cueva de las Manos. Die Höhle am farbenprächtigen Canyon des Río Pinturas im Andenvorland zeigt bis zu 9.350 Jahre alte Felsmalereien. Namensgebend sind die Handabdrücke, die die Szenerie dominieren. Ausgangspunkt: Perito Moreno.
  • Los Antiguos. Der Ort liegt nicht nur idyllisch am Lago Buenos Aires, sondern gilt auch als Kirschhauptstadt Argentiniens. Trekking- und Wandertouren inmitten toller Obsthaine sowie im Winter auch Wintersport machen es zu einem beliebten Reiseziel.
  • Bosques Petrificados. Südlich von Caleta Olivia liegt der berühmteste versteinerte Wald Argentiniens. Hier finden sich uralte versteinerte Baumstämme inmitten einer bizarren Wüstenlandschaft.
  • Río Gallegos. Argentiniens jüngste Großstadt - die Hafen- und Beamtenstadt erwacht langsam zum Leben und bietet einige interessante Museen. Ist eine Übernachtung auf dem Weg nach Feuerland wert.

 Geheimtipps in der Provinz Santa Cruz

  • Nationalpark Monte León. Gelegen zwischen Río Gallegos und Puerto Santa Cruz und daher ein willkommener Stopp auf der Reise ganz hinunter in den Süden. Hier finden sich Seelöwenkolonien und bizarre Felsformationen am Meer.
  • Puerto Deseado. Gelegen an der wunderschönen Ria Deseado, dem Tal des gleichnamigen Flusses mit bizarren Felsformationen, Grotten und Felsinseln am tiefblauen Atlantik.
  • Nationalpark Perito Moreno. In einer fast unbewohnten Gegend der Südanden gelegen. Tolle, unberührte Landschaften, mit kleinen Seen und bis zu 2700 Metern hohen Bergen.
  • Puerto San Julián. An einer bizarren Bucht gelegen, umgeben von Salzseen, Senken und den südlichsten Badestränden Argentiniens.
  • Caleta Olivia. Eine schnell wachsende, boomende Stadt mit multikultureller Bevölkerung und tollen Stränden in der Umgebung. Ausgangspunkt für die Reise zu den Versteinerten Wäldern.
  • Cabo Blanco. Eines der unberührtesten Naturreservate Argentiniens, an der Südostspitze des Golfes San Jorge. Großer Vogelreichtum und Seelöwen. Ausgangspunkt: Puerto Deseado.

Zu bedenken ist, dass Monte León, der Nationalpark Perito Moreno und Cabo Blanco nicht von öffentlichen Verkehrsmitteln angefahren werden und auch Touren rar sind.

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