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Die Provinz Tucumán - Porträt & Reiseführer

Die Provinz Tucumán ist die kleinste Provinz Argentiniens und gleichzeitig die am dichtesten bevölkerte. Sie erreicht die geradezu europäische Bevölkerungsdichte von 65 Einwohnern pro Quadratkilometer. Dennoch bietet auch sie eine Menge Natur auf kleinem Raum, wobei die Kontraste sehr groß sind.

Tucumán ist bedeutsam für die argentinische Geschichte, da in der heutigen Provinzhauptstadt 1816 die "Vereinigten Provinzen des Río de la Plata" auf einem Kongress die Unabhängigkeit von Spanien erklärten. Zwar wurden weite Teile des Landes bereits seit der Mairevolution 1810 autonom regiert, doch erkannten die lokalen Juntas bis zu jenem Kongress noch den spanischen König als Herrscher an. Heute ist Tucumán das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Nordwestargentiniens, aber die verbreitete Armut ist weiterhin ein großes Problem.

Das Valle de Tucumán: Rückgrat der Provinz

Villanougues chapel tucuman

Kapelle in Villa Nougués. Foto: Jlazarte / Public Domain

Das Herz der Provinz ist das Flusstal des Río Salí und seiner Nebenflüsse. Es liegt am südlichen Ende des subtropischen Regenwaldgebietes der Yungas und ballt in einem engen Korridor über 90 Prozent der Einwohner der Provinz. Auch die Hauptstadt San Miguel de Tucumán liegt hier. Fast das gesamte Tal ist von Zuckerplantagen bedeckt, die einst den Reichtum der Provinz ausmachten. Die riesigen Monokulturen haben jedoch zu einer Abhängigkeit vom Zuckerpreis und zu mehreren schweren Wirtschaftskrisen geführt. Auch deshalb gehört Tucumán zu den ärmsten Provinzen Argentiniens, dazu kommt verbreitete Korruption und Vetternwirtschaft im Staatsapparat.

An den Berghängen sind noch weite unberührte subtropische Urwaldgebiete übriggeblieben, die wegen ihrer Üppigkeit der Provinz zum Namen „Jardín de la República“ verhalfen. Auf halber Höhe, etwa in San Javier oder Villa Nougués, lässt sich eine saftig grüne Landschaft mit Wiesen und Weiden genießen. Im Tal selbst ist neben der Provinzhauptstadt das wichtigste Fremdenverkehrszentrum der Stau- und Badesee El Cadillal im Norden der Provinz. Südöstlich der Hauptstadt Tucumán liegen die westlichen Ausläufer der Chacoebene. Dort liegt der größte Stausee Nordwestargentiniens, der Embalse Río Hondo, genau an der Grenze zur Provinz Santiago del Estero. Diese Ebene wird landwirtschaftlich intensiv genutzt.

Der Westen: Zwischen Wüste und Nebel

TafidelValle Tucuman

Tafí del Valle und der Stausee El Mollar. Foto: Jlazarte / Public Domain

Im Westen der Provinz Tucumán ist die Landschaft ungleich trockener: hier finden sich mit dem Hochtal Valle Calchaquí, dem Becken von Tafí del Valle und der Präkordillere bei Quilmes die besonders bei ausländischen Reisenden beliebtesten Ziele der Provinz. Die Gegend wird von den nördlichsten Ausläufern der Sierras Pampeanas, den bis zu 4762 Metern hohen Cumbres Calchaquies, vom Haupttal getrennt.

Besonders interessant sind in dieser Region die präkolumbischen Stätten wie die Menhire bei El Mollar und die Ruinen von Quilmes. Eher von Einheimischen besucht werden die Touristenorte Tafí del Valle und El Mollar selbst. Sie liegen auf etwa 2.000 Metern Höhe an einem Stausee in einem Becken, das zu den nebelreichsten Gegenden Argentiniens gehört und oft eine mystische, den schottischen Highlands nicht unähnliche Stimmung aufkommen lässt. Hierher flüchten die Bewohner der feuchtheißen Provinzhauptstadt im Sommer, um sich von Temperaturen bis 42 Grad bei hoher Luftfeuchtigkeit zu erholen.

Ganz im Westen liegt im trockenen Valle Calchaquí die Kleinstadt Amaicha del Valle, die größte von Ureinwohnern nach eigenen Regeln geführte Gemeinde Argentiniens. Ein Ältestenrat steht dem Bürgermeister, der dort Kazike genannt wird, zur Seite; und der Großteil des Landes gehört der Gemeinschaft und wird nach traditioneller Sitte nur verpachtet. Die Ruinen von Quilmes, eine der bedeutendsten Ausgrabungsstätten aus präkolumbischer Zeit, liegen nur 15 Kilometer nordwestlich; weitere Stätten finden sich bereits auf dem Gebiet der angrenzenden Provinzen Salta und Catamarca.

San Miguel de Tucumán: Die Metropole des Nordwestens

Tucuman, Casa del Gobierno

Regierungspalast in San Miguel de Tucumán. Foto: Véronique Debord-Lazaro / Flickr / CC-BY-SA 2.0

Die Provinzhauptstadt San Miguel de Tucumán zählt mitsamt ihrer Vororte fast eine Million Einwohner und nimmt eine dominante Stellung in der Provinz ein. Sie wurde in den letzten Jahrzehnten zu einer multikulturellen Metropole, in der fast alle nativen und aus Europa stammenden Kulturen Argentiniens vertreten sind.

Tucumán bietet alle Annehmlichkeiten einer modernen Großstadt, aber auch viele typische Probleme südamerikanischer Regionalmetropolen. Infolge der Wirtschaftskrisen des 20. Jahrhunderts kam es zu einer Landfluchtwelle, welche zu wachsenden Slums führte, die auch heute nur mit Mühe urbanisiert werden. Ein weiteres Problem ist die hohe Luftverschmutzung, die besonders durch den oft bewölkten Himmel hier besonders spürbar ist.

Die Stadt bietet mehrere historische Bauten, das bemerkenswerte darunter ist wohl der neugotisch-prächtige Regierungspalast. Wie auch in Buenos Aires und Córdoba gehen viele Baudenkmäler jedoch im Großstadtdschungel etwas unter. Das Nachtleben der Hauptstadt war früher in ganz Argentinien berühmt, die Tucumanos gelten als besonders feierfreudig. Doch strenge Sperrstundenregelungen haben seit den Nullerjahren dazu geführt, dass sich die Clubkultur kaum weiterentwickeln konnte und viele Besucher eher enttäuschen dürfte.

Die wichtigsten Reiseziele der Provinz Tucumán

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Ruinenstadt Quilmes im Valle Calchaquí. Foto: Cayuqueo / Wikimedia Commons / GFDL & CC-BY 3.0

  • San Miguel de Tucumán. Eine quirlige Fast-Millionenstadt, in der es viel zu entdecken gibt. Die bekanntesten historischen Bauten sind der Regierungspalast im Jugendstil mit neogotischen Elementen, die Kathedrale mit klassizistischen und barocken Einflüssen (1856) und die San-Francisco-Kirche (1891). Das kleine Museum im Unabhängigkeitshaus widmet sich dem Kongress, der 1816 zur Unabhängigkeitserklärung führte. Weitere Museen widmen sich den bildenden Künsten, der Archäologie und der Geschichte. Interessant ist auch das Museum der Zuckerindustrie in der historischen Residenz des Bischofs Colombres aus dem frühen 19. Jahrhundert. Einen Rundgang wert ist das schicke Barrio Norte rund um die Plaza Urquiza mit prächtigen Jugendstilbauten und modernen Hochhäusern, wo sich auch das Nachtleben und die Gastronomie der Stadt ballen.
  • Tafí del Valle und El Mollar. Gelegen in einem oft nebelverhangenen, aber dennoch halbwüstenhaft-trockenen Tal. Zwischen beiden Orten erstreckt sich ein Stausee mit Bademöglichkeiten in El Mollar auf der Südseite. Dort kann der Besucher Menhire aus der Diaguita-Kultur bestaunen. Größer und interessanter ist Tafí del Valle im Norden des Tales, von kleinbäuerlicher Viehzucht geprägt und mit einem urigen Zentrum.
  • Amaicha del Valle und Quilmes. Die von Ureinwohnern regierte Gemeinde Amaicha del Valle ist ein uriges Dorf mit inzwischen erwachtem Tourismus, dessen Hauptsehenswürdigkeit das große Pachamama-Museum mit Einblicken in Kultur und Geschichte des Calchaquí-Tales ist. Nur wenige Kilometer nördlich liegt die Ruinenstadt Quilmes an einem Berghang. Sie war eine der Bastionen des Widerstands gegen die Kolonisierung. Um den Widerstand zu brechen, vergifteten die Spanier eine wichtige Wasserquelle und besetzten ihre Äcker, was zur Kapitulation führte. Auch das sehr kleine Nachfolgedorf ist heute eine indigene Gemeinde.
  • Stausee El Cadillal. 20 Kilometer nördlich von San Miguel de Tucumán gelegen, ist El Cadillal ein beliebtes Naherholungsgebiet. Der Stausee liegt inmitten subtropischer Wälder und bietet tolle Ausblicke und gute Bademöglichkeiten, touristische Infrastruktur wie Hotels und Gastronomie ist im am Westufer gelegenen Ort El Cadillal vorhanden.
  • San Javier und Villa Nougués. San Javier liegt nur wenige Kilometer westlich der Provinzhauptstadt am Hang der üppig grünen Sierra de Aconquija und ist eine Landidylle mit Weiden inmitten subtropischer Urwälder und einigen schönen Aussichtspunkten auf die Provinzhauptstadt. Villa Nougués weiter südlich gilt als Residenz der Zucker-Oligarchie und liegt in hügeligem Terrain an einer serpentinenreichen Straße.

Geheimtipps in der Provinz Tucumán

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Fußgängerzone in Lules. Foto: Jlazarte / Public Domain

  • Dique Escaba. Der wildromantische Stausee liegt südwestlich von Juan B. Alberdi im Süden von Tucumán nahe der Grenze zur Provinz Catamarca mitten im subtropischen Urwald. Wassersport ist möglich, es gibt aber nur wenig Infrastruktur. Schon die Zufahrt durch eine Schlucht über eine enge Serpentinenstraße ist ein Abenteuer für sich.
  • San Pedro de Colalao. Der kleine Ort im Norden der Provinz hat ein interessantes archäologisches Museum und ist für seine Käseproduktion bedeutend. Gelegen am Hang der Sierra de Aconquija bietet der Ort gute Campingmöglichkeiten.
  • Concepción. Die zweitgrößte Stadt Tucumáns liegt im Süden des Haupttals, zählt mitsamt seiner Vororte etwa 70.000 Einwohner und hat ein lebendiges Einkaufszentrum und einige schöne, schattige Avenidas in der Innenstadt, aber vergleichsweise wenige historische Bauten.
  • Lules. Die Stadt liegt am südwestlichen Rand der Metropolregion von Tucumán am Hang der Sierra de Aconquija und hat ein hübsches Zentrum mit einer alten Kirche, einer schön angelegten Fußgängerzone und lebendigen Einkaufsstraßen. Besichtigt werden können Ruinen eines Jesuitenklosters von 1670 an der Peripherie der Stadt.
  • Monteros. Eine schöne Plaza, gesäumt von einer hübschen Kirche mit romantisch-orientalisch angehauchter Architektur, vielen Jugendstilhäusern und kaum Bausünden machen das knapp 25.000 Einwohner zählende Monteros zu einem kleinen Geheimtipp unter den zahlreichen Mittelstädten Tucumáns.

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