Sie sind hier

Thema: Devisenkontrollen

Da sich das Vertrauen der Argentinier in ihre Wirtschaft in den letzten Jahren verschlechtert hat und wegen der hohen Inflation auch eine Abwertung des Peso erwartet wurde, stieg die Kapitalflucht 2011 an. Im November 2011, kurz nach der Wahl, führte die Regierung Kirchner als Reaktion darauf Devisenkontrollen ein.

Personen und Unternehmen, die Devisen erwerben möchten, müssen seit Mai 2012 einen Antrag beim Finanzamt (AFIP) über die Website der Behörde stellen. Als Grund werden derzeit (Oktober 2012) nur Auslandsreisen akzeptiert. Die AFIP prüft anhand der Daten über die deklarierten Einkünfte des Antragstellers, ob dieser berechtigt ist, Devisen zu erwerben. Danach muss sich der Antragsteller in eine Bank oder Wechselstube begeben, wo per Netzwerkverbindung der Antrag noch einmal geprüft wird und bei positivem Bescheid die Devisen ausgegeben werden. Die Bezahlung geschieht per Überweisung, Barzahlung ist nicht möglich.

Die Transparenz dieses Verfahrens wird von vielen Kritikern bemängelt, auch da nur selten der Antrag auf Devisenkauf bewilligt wird. Es gab auch Berichte von Betroffenen der Devisenkontrollen, denen auf der Website ein Devisenkauf erlaubt wurde, aber die Bank diesen dann verweigerte. Ebenfalls ist die Praxis aus Sicht des Datenschutzes bedenklich, da zahlreiche persönliche Daten angegeben werden müssen.

Ebenfalls ist es seit Anfang 2012 nicht mehr möglich, von Peso-Konten im Ausland Devisen an Geldautomaten abzuheben.

Der US-Dollar ist in Argentinien seit vielen Jahrzehnten als Sparwährung sehr beliebt, um den Wechselkursschwankungen aus dem Weg zu gehen. Auch Immobilienmakler verlangten bei Hauskäufen bis Mitte 2012 oft US-Dollar als Zahlungsmittel. Darum sind die Beschränkungen für einige Wirtschaftszweige eine Zäsur, aber auch Privatleute können in schwierige Situationen kommen, wenn sie z.B. einen Kredit in Dollar bezahlen müssen, an die Devisen aber nicht herankommen. Auch Reisen werden besonders durch die Abheberestriktionen an Geldautomaten erschwert: Neben dem Erwerb der Devisen direkt im Ausland (selbst in Uruguay und Brasilien zu sehr schlechten Kursen, abseits der Nachbarländer auch kaum möglich) bleibt bei Nichtbewilligung des Devisenkaufs nur die Zahlung per Debit- oder Kreditkarte. Auf diese Zahlungen wurde inzwischen eine Abgabe von 15 % eingeführt (die nach der Wiedereinreise mit der Einkommenssteuer verrechnet wird). Daher riefen die Restriktionen den Zorn insbesondere der Mittelschicht hervor.

Von Seiten der Regierung wird argumentiert, die Restriktionen dienten zur Verhinderung der Kapitalflucht, die 2011 wieder angestiegen war. Außerdem solle die Bedeutung des Dollars als Parallelwährung zurückgedrängt werden. Vermutet wird jedoch seit langem eine mittelfristige Absicht, den Peso abzuwerten, was auch - in kleinen Schritten - bereits geschieht. Auch wegen dieser Erwartung liegt der Schwarzkurs des Dollar deutlich (20 bis 40 Prozent) über dem offiziellen Kurs.

Der Verkauf von Devisen ist in Argentinien auch für Privatleute verboten. Wer also den Schwarzkurs legal ausnutzen will, da er Dollar, Euro oder andere Devisen besitzt, hat nur umständliche Möglichkeiten: Einmal kann man den Umtausch von der Fremdwährung in Peso in einem Nachbarland vorzunehmen, wobei jedoch die Ein- und Ausfuhrgrenzen für Bargeld (10.000 US-Dollar) und natürlich die Reisekosten zu beachten sind. Eine weitere Möglichkeit bietet der Online-Finanzservice Xoom (vergleichbar mit Western Union), der einen deutlich höheren Dollarkurs anbietet als die offiziellen Wechselstuben. Hier sind jedoch recht hohe Gebühren zu entrichten, wenn man kein Konto in den USA besitzt. Eine dritte Möglichkeit besteht darin, Güter und Dienstleistungen im Land mit den Devisen zu kaufen und spontan einen Rabatt auszuhandeln. Es ist jedoch für den Verkäufer verboten (was auch kontrolliert wird) mit derartigen Rabatten zu werben.

Weitere Hinweise zum Banken- und Finanzsystem finden Sie bei den Praktischen Tipps für Auswanderer.

Theme by Danetsoft and Danang Probo Sayekti inspired by Maksimer