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Inflation auf dem Rückzug?

Wenn man dem Internet-Projekt "Inflación Verdadera" glauben darf, so zeigen die harten Preiskontrollen in Argentinien, die vom Handelsstaatsekretariat unter Guillermo Moreno durchgesetzt werden,  erstmals Wirkung: Der Anstieg der Konsumentenpreise ist laut dieser Website, die Preise mehrerer Produkte direkt auf Zeitreihen vergleicht, in den ersten Monaten 2013 stark zurückgegangen.

Von fast 26 % zum Jahreswechsel fiel die jährliche Preissteigerungsrate bis Ende Mai 2013 demnach auf 17,7 Prozent. Noch deutlicher wird der Rückgang, wenn man die "monatliche Inflation" vergleicht: Sie lag im Januar 2013 bei Werten zwischen 1 und 1,5 Prozent, im Mai dagegen wurden Werte um 0,6 Prozent gemessen. Zeitweise zeigte die Kurve sogar negative Werte an.

Inflación Verdadera ist ein unabhängiges Projekt, das 2007 von argentinischen Wirtschaftswissenschaftlern aus Unzufriedenheit mit den mit hoher Wahrscheinlichkeit geschönten offiziellen Inflationsdaten des Statistikamtes INDEC gegründet wurde. Es basierte zunächst auf einem Warenkorb von Lebensmitteln und Getränken und hatte damit nicht den Anspruch, einen vollwertigen Inflationsindex darzustellen. Inzwischen sind jedoch auch andere Produktfamilien hinzugekommen. Das Projekt erregte die Aufmerksamkeit des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT), das es als Anregung für sein Billion Prices Project nutzte. Heute hat das Unternehmen PriceStats die Berechnung übernommen.

Darf sich nun Moreno und die Regierung Cristina Kirchners endlich bei dem leidigen Thema Inflation selbst auf die Schulter klopfen? Wohl nicht. Erstens sind 17,7 Prozent im Jahr weiterhin eine äußerst hohe Inflationsrate. Zweitens scheint der Boden für die monatliche Inflationsrate bereits erreicht zu sein, wie die Inflacion-Verdadera-Statistik bestätigt. Es liessen sich die Preissteigerungen mit der Holzhammer-Methode der Preiskontrollen also wohl nicht auf unter 10 Prozent im Jahr und damit auf ein gesundes Maß drücken. Drittens droht beim Aufheben der Preiskontrollen, was für die Zeit nach der Wahl im Oktober geplant ist, ein erneuter starker Inflationsanstieg.

Eine nachhaltige Reduzierung der Inflation wird der Regierung nur gelingen, wenn sie die jährliche Erhöhung der Geldmenge stoppen kann. Dies würde vermutlich den Abschied von den massenhaften Subventionen bedeuten, die vor allem die ÖPNV- und die Energiepreise des Gran Buenos Aires (andere Städte erhalten deutlich weniger) auf einem inzwischen unnatürlich niedriges Niveau gehalten haben. So kann ein "Porteño" weiterhin mit weniger als 2 Pesos (ca. 30 Eurocent) den Bus zur Arbeit nehmen und zahlt meist weniger als 10 Centavos (also weniger als 2 Eurocent) pro Kilowattstunde Strom, während andere Preise inzwischen auf europäischem Niveau liegen. Vielleicht ringt sich die Regierung ja nach der Wahl im Oktober tatsächlich zu einem Subventionsabbau durch. Es davor zu erwarten, wäre in Argentinien ein kaum erfüllbarer Wunschtraum.

Anmerkung: Die teilweise Aufhebung der Preiskontrollen haben viele Händler im Juni und Juli zu einem deutlichen Preisaufschlag genutzt, so dass die Inflation auch laut Inflación Verdadera inzwischen wieder über 20 Prozent liegt. Die Vermutung, das es sich um keinen nachhaltigen Rückgang handelte, hat sich somit bestätigt (Stand Anfang August 2013).

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